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Karlsruhe: Zugleich Dandy und Raubtier: Delacroix-Schau in Karlsruhe

Karlsruhe : Zugleich Dandy und Raubtier: Delacroix-Schau in Karlsruhe

Die einen kritisierten den obsessiven Einsatz von Farbe, die anderen feierten ihn dafür und hielten ihn schlicht für genial: Eugene Delacroix (1798-1863) wurde zeitlebens ebenso heftig attackiert wie bewundert.

Zu seinem 140. Todestag wird der bedeutendste Vertreter der französischen Romantik mit einer großen Überblicksschau in Karlsruhe geehrt.

Die Ausstellung wird am 31. Oktober in der Staatlichen Kunsthalle eröffnet und dauert bis zum 1. Februar.

Spitzenwerke aus 70 internationalen Museen und Privatsammlungen zeigen die Vielfalt des Malers Eugene Delacroix, den Traditionalisten und den Wegbereiter der Moderne.

Prachtvolle Historiengemälde, stille Genrebilder, Zeichnungen, Lithographien und zarte Aquarelle - zu sehen sind 223 Exponate aller Schaffensphasen.

Aus US-Sammlungen werden erstmals in Deutschland Blumenstillleben und Landschaftsaquarelle der Marokko-Reise aus dem Jahr 1832 ausgestellt.

Letztere war Auslöser für die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Licht. Vom Revolutions-Gemälde „Die Freiheit auf den Barrikaden” hat sich der Louvre nicht getrennt.

Dafür verlieh das Museum das zeitgleich im Salon ausgestellte Tiger-Bild, das 1830 auch neoklassizistische Kritiker versöhnte.

Seine Fans und Künstlerfreunde - von Vincent van Gogh bis Victor Hugo - verehrten dagegen den anderen Delacroix, den, der mit kühnem Pinselstrich und ausgeklügelter Farb- und Lichtregie in Bilder von brutalen Löwenjagden gleichermaßen Dynamik zaubern konnte wie in exotische Straßenszenen.

„Dass Schatten farbig sein können, das ist der große Verdienst von Delacroix”, schwärmt Kunsthallen-Direktor Klaus Schrenk. Dramatik und Existenzkampf bestimmen das Werk: Pferde in Todesangst scheinen aus dem Bild zu springen.

Unversehens wird der Betrachter vom Schmerz des aus dem Dunkeln ins Helle gezerrten Gretchens („Tod des Valentin”, 1847) erfasst.

Facettenreich wie das Werk war die Person: Der „größte Kolorist” (Van Gogh über Delacroix) war schmächtig und kränklich, äußerst gebildet und höflich.

Nach Zeugnis seines Freundes Charles Baudelaire hatte er „sehr viel vom Dandy an sich”. Doch darunter brodelte es: „Alles an ihm war Energie” - oder wie es Paul Gauguin ausdrückte: Der Sohn aus gutem Hause hatte das „Temperament eines Raubtiers”.

Von seiner Leidenschaft zur Literatur zeugen in Karlsruhe die faszinierenden „Faust”-Lithographien, die Goethe überschwänglich lobte: „Herr Delacroix ist ein großes Talent, das gerade am ,Faust die rechte Nahrung gefunden hat. Die Franzosen tadeln an ihm seine Wildheit, allein hier kommt sie ihm recht zu statten.”

Immer wieder setzt sich Delacroix mit dem verkannten Genie auseinander wie in „Tasso im Irrenhaus” (1824). Denn trotz früher staatlicher Ankäufe: Den ersehnten Akademie-Sitz am Institut de France bekam er erst 1857 im achten Anlauf.

Für den Maler Paul Cezanne hat Delacroix zwar „zu viel Shakespeare und Dante verschlungen” und „zu viel im Faust geblättert”.

Doch, so sein Fazit: „Er bleibt trotzdem die schönste Palette Frankreichs.”