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Eupen/Aachen: Züge blieben stehen und die Supermärkte geschlossen

Eupen/Aachen : Züge blieben stehen und die Supermärkte geschlossen

Die Gretchenfrage konnte am Montag noch keiner beantworten: Was hat dieser Streik den Belgiern gebracht? In größeren Teilen lahmgelegt war das krisengeschüttelte Land.

Kein Zug fuhr, kaum ein Bus. Viele Flugzeuge blieben am Boden, etliche Supermärkte geschlossen. Bis auf einen Zwischenfall in Verviers werden keine dramatischen Szenen gemeldet. Doch die Lage, die zum Streik führte, ist für viele Belgier allmählich prekär.

Der Zugverkehr wurde bereits seit Sonntagabend bestreikt. Viele, die dennoch zur Arbeit wollten, blieben im allein in Flandern 280 Kilometer langen Stau stecken. Für Reisende, die aus Deutschland nach Belgien wollten, war am Aachener Hauptbahnhof Schluss. Offenbar weil der Zugstreik angekündigt war, hielt sich die Ratlosigkeit dort in Grenzen.

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) blieben eine ganze Reihe von Supermärkten dicht. In Eupen wurden im Laufe des Tages alle geschlossen. Im grenznahen Kelmis derweil blieb der örtliche Supermarkt geöffnet.

In den Produktionsbetrieben wurde die Aufrufe der Gewerkschaften unterschiedlich befolgt. Beim Isoliermaterial-Hersteller NMC in Eynatten wurden der Versand und Teile der Produktion stillgelegt. Im Kabelwerk Eupen wurde fast normal gearbeitet. In Lüttich gelang es den Streikposten, den Zugang zu fast allen größeren Betrieb zu sperren.

Auch die Post - bis auf die Briefzustellung - und die Banken taten rund um Eupen ihren Dienst, während in anderen Landesteilen die Post und andere öffentliche Dienstleister bestreikt wurden. Berichten zufolge sollen landesweit auch etwa 75 Prozent der Schulen und Kindergärten betroffen gewesen sein. In der DG war in den meisten Schulen Regelbetrieb.

Zu einem Zwischenfall kam es in Verviers, das durch Streikposten fast von Umgebung abgeschnitten war. Ein Autofahrer soll vorsätzlich, so meldet es jedenfalls eine Gewerkschaft, in Demonstranten hineingefahren sein und einen von ihnen verletzt haben. Der Gewerkschafter wurde zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.

An allen Ausfallstraßen auch in der DG hielten Streikposten Autofahrer an, um ihnen Flugblätter mit ihren Forderungen zuzustecken: „Warnung an die Regierung und die Arbeitgeber”, hieß es auf dem Blatt der Bauarbeitergewerkschaft. „Wir wollen Verhandlungen, die zu Resultaten führen, damit der Warenkorb wieder gefüllt werden kann.” Im Juni betrug die Inflation in Belgien 5,5 Prozent. Der Konsum ging stark zurück.

Die Reaktionen am Aachener Hauptbahnhof waren gemischt. Fatima Henneken ist außer sich. Die Bielefelderin hat ihre Verwandten in Eupen besucht. Bei der Rückfahrt habe sie auf Ersatzbusse von Eupen nach Aachen allerdings vergeblich gewartet. „Stattdessen musste ich für 56 Euro ein Taxi nehmen - das ist viel Geld.”

Michel Goupil - auf dem Weg von Paris über Brüssel und Aachen nach Köln - sieht das anders: „Ich habe gestaunt, der Schienenersatzverkehr verlief reibungslos. Man muss sich halt ein bisschen durchfragen.” In Zeiten zu geringen Lohns habe er außerdem „volles Verständnis” für den Streik. Für die ausgefallenen ICE- und RE-Züge nach Lüttich und Brüssel hat die Bahn Ersatzbusse eingesetzt, die vor dem Bahnhof abfuhren. Die Buslinie 14 endete am Grenzübergang Köpchen.