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Bonn: Zeugin im Bonner Ehrenmordprozess beschuldigt Cousin und Vater

Bonn : Zeugin im Bonner Ehrenmordprozess beschuldigt Cousin und Vater

Im Bonner Ehrenmord-Prozess hat am Montag die Hauptbelastungszeugin in einer Video-Konferenzschaltung ausgesagt. Ein Maskenbildner hatte das Gesicht der 35-jährigen Schwester des Opfers verfremdet.

Sie trug eine Sonnenbrille und eine langhaarige Perücke. Die Frau belastete in ihrer zweistündigen Aussage ihren 65-jährigen Vater und einen ihrer beiden mitangeklagten Cousins, ihre Schwester getötet zu haben. Der Vater hatte die Tat in Vernehmungen gestanden. 14 Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer damals 17-jährigen Schwester in Bonn hatte die Frau im März 2007 vor einem Ermittlungsrichter ausgesagt. Seitdem hat sie Angst vor Rache und lebt auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie.

Im Prozess schilderte sie, wie sie damals früh morgens von ihrem Vater geweckt und ins Wohnzimmer geführt worden war. Dort habe ihre Schwester mit einem Seil um den Hals bereits tot gelegen. Ihr Cousin habe sie damals aufgefordert, an dem Seilende zu ziehen, um die Schwester symbolisch zu strangulieren. Sie habe dann gesehen, wie die Tote zunächst in einen Müllsack und dann in eine Kiste gesteckt und anschließend mit dem Auto des Vaters abtransportiert worden sei. Ihr Vater habe gedroht, mit ihr werde das Gleiche geschehen, wenn sie etwas verrate.

Ihr Vater habe ihr gesagt, er und zwei ihrer Cousins hätten im Westerwald bei Asbach, wo sie auf dem Bau arbeiteten, in den vorangegangenen Wochen eine große Grube gegraben, in die die Tote gebracht werden solle. Er habe ihr damals gesagt, er habe die Tochter töten müssen, weil sie die Ehre der Familie verletzt habe. Er habe keine andere Wahl gehabt.

Die Zeugin beschrieb den Vater als einen eigentlich friedfertigen Menschen. Als aber ein Jahr vor dem Geschehen ihre Mutter gestorben sei, sei er zunehmend unter den Einfluss des fundamentalistischen Neffen geraten. „Mein Vater wurde mehr und mehr entmündigt”, sagte die 35-Jährige aus. Der Neffe habe dem Vater vorgeworfen, bei der Erziehung der Töchter kläglich versagt zu haben. Die verstorbene Mutter habe immer vor dem Neffen gewarnt.

2004 wandte sich die Zeugin erstmals an die Polizei. Aus Furcht um ihr eigenes Leben und das ihres damaligen Mannes rang sie sich erst im März 2007 zu einer Aussage vor einem Ermittlungsrichter durch. Der Vater hatte bei den Vernehmungen der Ermittler gestanden. Er habe seine Tochter, die bereits in der Pubertät den muslimischen Glauben missachtet und sich von der Familie entfernt habe, töten müssen, sagte er. Durch ihren Lebenswandel habe sie seine Ehre und die Ehre der Familie verletzt.