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Monschau: Zauber der Musik lockt in alte Mauern

Monschau : Zauber der Musik lockt in alte Mauern

Nun sind sie vorbei, die schönen Tage von Monschau. Neun Aufführungen haben an den Tagen vom 27. Juli bis zum 5. August die Arena an der Burg belebt. Mehr als 13.000 Besucher, kein Minus im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahres - das rechnet sich ganz gut.

Hoch zufrieden sind deshalb auch die Organisatoren, so „Monschau Klassik”-Pressesprecher Helmut Schmitz. „Die Besucherzahl”, sagt der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, „ist für Open Air Klassik außergewöhnlich. Doch nicht nur die Zahlen zählen für Schmitz: „Wir haben vom Künstlerischen her auf jeden Fall unser Niveau gehalten”, freut sich der Journalist.

Mit einer Behauptung möchte er im Übrigen aufräumen: „Es hat sich als Märchen heraus gestellt, dass die Monschau Klassik immer von schlechtem Wetter begleitet wird - zu 90 Prozent herrschte Trockenheit.”

Dass der Besuch einer Aufführung sich mit einem Bummel nebst Einkauf durch die malerischen Straßen der Altstadt kombinieren lässt, ist ein zusätzlicher Marketing-Pluspunkt. Der Erfolg in diesem Festival-Jahr liegt nicht zuletzt in der Tatsache begründet, dass sich auch 2007 wieder eine Perle der klassisch-romantischen Musikliteratur an die andere reihte.

Gleich zu Beginn ging Verdis „La Traviata” mit dem italienischen Gaststar Paola Antonucci über die Bühne. Einen Tag später folgte schon der erste Höhepunkt dieses Festivals: Das Ballett „Schwanensee” bot trotz widrigem Wetters Tanztheater vom Allerfeinsten und eine Klasse, die das Publikum erfüllte und berührte. Nicht minder galt das für die „Carmen” mit der glänzenden griechischen Sopranistin Kassandra Dimopoulou in der Titelrolle.

Eine weitere wichtige Säule des Erfolges dieser „Monschau Klassik”-Ausgaben liegt darin, dass den Veranstaltern ein hochwertiges Kinderoper-Angebot sehr wichtig ist. Alle freuten sich über die frisch-freche „Freischütz”-Adaption der Kleinen Oper Bad Homburg, zu der auch Rap- und Rock-Einlagen gehörten.

Das Aufeinandertreffen der englischen Jazz-Größe Chris Barber und seiner Band mit dem Orchester der Bolschoi-Oper Minsk, das zudem die Opern-Aufführungen begleitete, bot eine spannende Begegnung. Zwei Operetten-Aufführungen - „Gräfin Mariza” und „Lustigen Witwe” - gehörten ebenfalls zum Programm. Vollends abgerundet wurde es erst von der Opern- und Operettengala, die mit zahlreichen Highlights Gänsehaut-Feeling vermittelte.

Ohne Strom

Und kleine Pannen gehören zu Live-Inszenieruzngen: Vor Beginn der Verdi-Oper „Il Trovatore” fiel der Strom aus, so dass der Beginn des farbenprächtigen Spektakels um rund eine Dreiviertelstunde verschoben werden musste.

Völlig anders bei „Monschau Klassik” war zweierlei: das neue Orchester und der neue Künstlerische Leiter Wilhelm Keitel. Der Maestro aus Schwaben zeichnete zudem, so wie der Intendant eines Theaters, für Gesamtkonzeption auf der Bühne und im Orchestergraben verantwortlich. Ob und wie weit er das Geschehen in Monschau wird prägen können, müssen die kommenden Jahre noch zeigen. „Es hat sich bestätigt, dass wir mit Wilhelm Keitel einen hervorragenden Künstlerischen Leiter gewonnen haben”, resümiert Schmitz.

Die Musiker aus Minsk wiederum zeichnen sich durch die Frische ihres Spiels aus. Mit Sensibilität und der Bereitschaft, sich vom Dirigenten (neben Wilhelm Keitel traten Viktor Ploskina und - für den Bereich der Operette - Simon Berg in Aktion) führen zu lassen, passen sie gut in das aufgefrischte Monschauer Konzept. Von dem dürfen sich die Musikfreunde auch fürs kommende Jahr (2008 dauert die „Monschau Klassik” vom 1. bis zum 10. August) einiges erhoffen - beispielsweise Mozarts „Cosi fan tutte” zum Auftakt, Donizettis „L´elisir d´amore”, danach und dann die Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig”. Infos: 02472/804828.