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Aachen/Düren: Zahnarzt: „Habe es einfach nicht getan”

Aachen/Düren : Zahnarzt: „Habe es einfach nicht getan”

Verschlampte DNA-Gutachten, Verdächtigungen und einseitige Bewertung von Zeugenaussagen durch die Staatsanwaltschaft: In einem aufrüttelnden Schlusswort vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts beschwor der wegen Brandstiftung angeklagte Dürener Zahnarzt entschieden seine Unschuld.

Der 59-jährige Angeklagte richtete Vorwürfe an Polizei und Staatsanwaltschaft. Vor allem die Aufforderung der Ermittlungsbehörde, er solle doch lieber ein Geständnis ablegen, damit mildernde Umstände gewährt werden könnten, brachten den Mann außer Fassung und gänzlich in Rage: „In welchem Staate leben wir denn, wenn ich etwas gestehen soll, was ich einfach nicht getan habe?” fragte er verzweifelt.

Die Anklage hatte eine fünfjährige Freiheitsstrafe für den Arzt gefordert. Wenn bei dem Zahnarzt, der am 3. Februar 2003 seine Praxis in der Dürener City „aus Geldgier” angesteckt haben soll, „nur der Funken einer Unschuldsvermutung” nicht beachtet wurde, sei damit bereits jetzt großer Schaden angerichtet worden.

Das meinte jedenfalls sein Anwalt. Der führte ins Feld, dass vor Gericht die Genauigkeit von Zeugenaussagen des Hausmeisters und einer Putzhilfe beispielsweise völlig anders als die entlastenden Aussagen der Familie bewertet wurden. Ehefrau und Tochter sagten noch am Morgen aus, sie konnten seine Angaben nur bestätigen.

Erst in der letzten Woche war offenbar geworden, dass durchaus weitere Personen im Besitz von Praxisschlüsseln sein könnten. War zunächst die Rede von fälschungssicheren Schlüsseln ohne Duplikat-Spuren, stellte sich letztlich heraus, dass die Sicherungskarten für das Schließsystem der Arztpraxis offen in der Schublade lagen. Mit ihrem Zahlencode könne jedermann Nachschlüssel machen lassen, führte der Verteidiger aus.

Urteil am Mittwoch

Zudem habe sein Mandant für den Tag nach der Brandnacht zwei Kaufinteressenten für die Praxis erwartet: „Meinen Sie etwa, in jener Nacht sei ein böser Geist in meinen Mandanten gefahren?” Der Zahnarzt wollte die Praxis verkaufen, weil er einen gut dotierten Job in Schweden antreten konnte. Der Verteidiger forderte Freispruch. Das Urteil wird am Mittwoch um 12 Uhr gesprochen