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Düsseldorf: Yaeko Nagasawas wunderbarer Friseursalon

Düsseldorf : Yaeko Nagasawas wunderbarer Friseursalon

Süßlicher Geruch nach Haarspray liegt in der Luft, Radiomusik tönt durch den Raum, in dem bunte Illustrierte voller Klatsch und Modetipps bereitliegen. Der „Salon Mai” wirkt wie eines der typischen deutschen Friseurgeschäfte.

Doch hier haben japanische Frisurentrends und traditionelle Kimonos Vorrang. Yaeko Nagasawa führt seit 1977 den ersten japanischen Friseursalon in Düsseldorfs.

Nach einer Ausbildung als Friseurin erfüllte sich die Japanerin einen Kindheitstraum und wurde in Europa sesshaft. „Meine Mutter war sich sicher, dass ich das nicht durchhalten würde - damals habe ich viel geweint”, erinnert sich Nagasawa. Doch trotz großen Heimwehs hielt die Japanerin durch und blieb in Deutschland. Als ihr damaliger Chef seinen Friseursalon schließen wollte, ergriff Nagasawa die Initiative und übernahm das Geschäft.

Zehn Jahre lang war sie die einzige japanische Friseurin in Düsseldorf. „Meine Kunden haben mir damals Essen mitgebracht und den Salon gefegt, weil ich die ganze Zeit über beschäftigt war”, sagt Nagasawa. Noch immer empfängt sie bis zu 30 Kunden pro Tag - auch wenn es inzwischen sechs weitere japanische Friseure in Düsseldorf gibt.

In Nordrhein-Westfalen leben mehr als 10.000 Japaner, etwa 7000 von ihnen im Großraum Düsseldorf. In der Stadt haben sich unter anderem japanische Restaurants, Buchläden, Bäckereien, vier Kindergärten und eine Schule mit über 500 Schülern angesiedelt.

Yaeko Nagasawa bereut es nicht, nach Deutschland ausgewandert zu sein. Im Gegenteil: „Ich fühle mich sehr wohl, weil ich hier ein viel ruhigeres und freieres Leben führen kann als in Japan.” Doch ihrer Heimat stattet sie weiterhin jedes Jahr einen Besuch ab - auch aus beruflichen Gründen. Denn für ihre Kunden benötigt sie teilweise Geräte und Pflegeprodukte, die in Deutschland nicht erhältlich sind.

„Wir Japaner haben dickes und hartes Haar, das sehr geradlinig wächst - und wegen der runden Gesichtsform und des flachen Hinterkopfs stehen uns viele europäische Frisuren nicht”, erklärt die Expertin. Deshalb studiert sie regelmäßig japanische Zeitschriften auf der Suche nach neuen Haartrends. „Im Augenblick sind etwas rundere, voluminösere Frisuren sehr beliebt”, sagt Nagasawa.

Seit die Japanerin vor über 30 Jahren als Friseurin ausgebildet wurde, hat sich ihrer Einschätzung nach einiges geändert. „Es ist wie ein Wunder, aber die Haare der Japaner werden immer weicher und welliger. Deswegen sind ganz andere Frisuren als früher möglich”, sagt Nagasawa. Eines ist seit der Gründung ihres eigenen Friseursalons jedoch gleich geblieben: „Das japanische Haar braucht immer noch viel Zeit und Sorgfalt”, sagt Nagasawa.

Michio Fujiwara, der seit über 25 Jahren zu ihrer Kundschaft zählt, bestätigt das. „Die japanischen Friseure sind sehr sorgfältig und haben eine ganz andere Arbeitsweise als ihre europäischen Kollegen”, sagt er. Deshalb ist der pensionierte Hochschuldozent einer der treuesten Kunden des Friseursalons.

Doch Nagasawa beweist nicht nur beim Frisieren Fingerspitzengefühl: Bevor sie nach Deutschland kam, ließ sie sich in die hohe Kunst der Kimonos einweisen und kleidet nun Frauen in die traditionelle Kleidung ein. „Alleine lässt sich ein Kimono kaum anziehen - und heutzutage wollen immer mehr Japanerinnen zu besonderen Anlässen einen Kimono tragen”, sagt Nagasawa.

Die traditionellen Kleider werden auch während des Düsseldorfer Japan-Tags zu sehen sein. Am 14. Juni wird außerdem Kunst und Kultur aus Japan präsentiert sowie ein großes japanisches Feuerwerk gezündet.