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Köln: Wohnwagen-TV und Obdachlosen-Musik im Museum Ludwig

Köln : Wohnwagen-TV und Obdachlosen-Musik im Museum Ludwig

„Kommen Sie doch rein”, sagte der Künstler Phil Collins am Mittwoch und bittet in einen Wohnwagen, der sich im Kölner Museum Ludwig auf einer großen Platte um sich selbst dreht. Drinnen steht ein großer Bildschirm, zu sehen ist eine Shopping-Show, in der die Zuschauer aber keine Dinge kaufen können, sondern stattdessen tolle Erlebnisse.

Während der Besucher in der spießigen Miniaturwelt des Wohnwagens hockt, kann er seine Träume stellvertretend über das Fernsehen ausleben. Collins ist von diesem Donnerstag bis zum 21. Juli mit einer Ausstellung im Museum Ludwig vertreten. Reizvoll ist ein Projekt, für das er in einer Überlebensstation für Obdachlose ganz in der Nähe des Museums eine Telefonzelle installierte. Dort konnten die Obdachlosen kostenlos Ferngespräche führen, die mit ihrem Einverständnis aufgezeichnet und anonym verwendet wurden. Collins ließ die Telefonate von Musikern vertonen. Die so entstandenen Songs präsentiert er in der Ausstellung auf Vinylschallplatten in stilvoll gestalteten Hörkabinen mit Blick auf den Hauptbahnhof, wo sich die Überlebensstation befindet. Die Besucher können es sich in den Kabinen bequem machen und der Musik lauschen.

Parallel zu der Collins-Schau läuft auch eine Ausstellung der amerikanischen Performance-Künstlerin Andrea Fraser. Sie erhält am Samstag in Köln den mit 100 000 Euro dotierten Wolfgang-Hahn-Preis. Frasers Thema ist der Kunstbetrieb selbst. So spielt sie in einem Video einen Auftritt des bekannten deutschen Künstlers Martin Kippenberger (1953-1997) nach. Auch den typischen Kuratoren-Sprech hat sie manches Mal aufgespießt. Nicht ohne unfreiwilligen Witz war allerdings, dass bei der Präsentation ihrer eigenen Ausstellung gerade davon ziemlich viel zu hören war.

(dpa)