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Wohnen mit dem Pegelstand

Wohnen mit dem Pegelstand

Roermond (an-o) - Die Niederländer müssen mit dem Wasser leben, mittlerweile leben sie auch auf ihm. Schwimmende Häuser heißt ein neuer Wohnungstrend in den Niederlanden. In Roermond gibt es eine Anlage aus schwimmenden Ferienhäusern seit zehn Jahren.

"Marina Oolderhuuske" heißt das Feriendorf aus 175 festen und 80 schwimmenden Häusern, das auf einer kleinen Halbinsel eines Maas-Sees bei Roermond liegt. Wohnungsgrund in den Niederlanden ist knapp und wird immer knapper, auf die Flüsse und Seen auszuweichen war ein naheliegender Gedanke. Doch die schwimmenden Häuser sind keine Hausboote: Es ging nicht darum, eine flexible Lebensform zu finden, sondern darum, ein Haus zu bauen, dass sich an seine flexible Umgebung anpasst.

Kern aus Polystyrol

"Wir haben hier in jedem Winter wieder Hochwasser, viele Teile von Roermond sind gar nicht herkömmlich zu bebauen", erklärt Rob Wesper, Hafenmeister von "Marina Oolderhuuske". Die Häuser steigen mit dem Pegelstand des Wassers und senken sich ebenso wieder ab. Das Bauprinzip ist einfach: Eine Wanne aus Stahlbeton gibt das Fundament, der Kern ist mit Polystyrol, einem Styropor vergleichbaren Kunststoff, gefüllt. Darauf wird in Leichtbauweise das Haus gesetzt. Damit es nicht wegschwimmt, wird das Haus an einem Pfahl befestigt.

Wasserviertel mit Geschäften

In Roermond sind das Ferienhäuser für bis zu sechs Personen. Doch wenn die Betonwanne größer wird, kann auch das Haus geräumiger werden: "Man kann in dieser Bauweise ganz normale Familienhäuser errichten", weiß Rob Wesper.

Der Traum vom schwimmenden Eigenheim wird am Ijsselmeer bereits Wirklichkeit: Ein Prototyp des zweigeschossigen Modells "Lighthouse" liegt im Hafenort Hoorn vor Anker und ist auch zu besichtigen. 500 Wasserhäuser sind nach dessen Vorbild geplant. Auch in Amsterdam werden Wasserhäuser das Stadtbild verändern, bis Ende nächsten Jahres soll es ganze Wasserviertel mit Restaurants, Hotels und Geschäften geben. Und sogar nach Deutschland schwappt die Idee der Häuser auf dem Wasser: Für den Fall, dass Düsseldorf den Zuschlag für Olympia 2012 erhielte, bräuchte es auch ein olympisches Dorf.

Dorf auf dem Rhein

Mehrere Standorte sind im Gespräch, doch der verrückteste Vorschlag kam von einem Produktdesigner aus Meerbusch: Ein schwimmendes Dorf soll auf dem Rhein 16.000 Athleten beherbergen. Das Rheinische Wasser- und Schifffahrtsamt fand den Vorschlag interessant, das Dorf dürfe aber in keiner Weise die Schifffahrt in der Fahrrinne beeinträchtigen, so das Amt.

Die Betreiber der "Marina Oolderhuuske" haben in Roermond gute Erfahrungen gemacht, denn auch wenn die Häuser von Wasser umgeben sind, haben sie heute weniger mit dem Nass zu tun als früher: "Seitdem wir diese Häuser haben, haben wir keine Probleme mehr mit dem Hochwasser", erklärt der Hafenmeister. Und auf Komfort muss ein Wasserhausbesitzer auch nicht verzichten: "Über eine externe Versorgungsleitung kommt Wasser und Strom, Telefon und sogar Kabelfernsehen ins Haus." Und einen weiteren Vorteil haben die Häuser: Bei einem Umzug brauchen keine Kisten gepackt zu werden, ein Schiff schleppt das Haus einfach zum nächsten Hafen.