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Köln: Wohin mit dem Papst? Köln hat sich verschätzt

Köln : Wohin mit dem Papst? Köln hat sich verschätzt

Die Poller Wiesen sind offenbar zu klein, um die erwarteten Besuchermassen zum Weltjugendtag aufzunehmen, wenn der Papst kommt. Zweite große Panne bringt Veranstalter in Erklärungsnot. Die „Toten Hosen” sagten ab, Sponsoren halten sich zurück.

Das hatten sich die Organisatoren des Weltjugendtages so schön vorgestellt: Hunderttausende Jugendliche feiern auf den Poller Rheinwiesen in Köln und freuen sich auf den großen Moment, in dem der heilige Vater mit einem Schiff über den Rhein fährt und am Rheinufer anlegt. Herrliche Bilder, für die das Rheinpanorama mit den Domspitzen als einzigartige Kulisse diente, sollten um die Welt gehen. Zu diesen Szenen wird es nach aller Voraussicht nicht kommen. Auch wenn das Weltjugendtagsbüro jetzt gebetsmühlenartig aller Welt erklärte, es sei noch keine Entscheidung gefallen, scheint klar: Die Organisatoren haben sich verkalkuliert.

Die Poller Wiesen, deren Herrichtung seit Monaten vorbereitet wird, werden die Menschenmassen, die nach Köln strömen werden - 450.000 Besuchern werden schon zum 18. August erwartet - nicht fassen können.

Die Stimmung bei allen Beteiligten war am Donnerstag äußerst gespannt, von Transparenz keine Spur. Wie so oft, durfte die Weltjugendtags gGmbH nicht ohne Rücksprache mit dem Vatikan mit klaren Worten an die Öffentlichkeit. So herrschte Unklarheit, wie es zu dieser zweiten großen Panne bei der Vorbereitung kommen konnte: Nach der Verlegung des Abschlussgottesdienstes von Hangelar nach Kerpen steht nun auch das Areal für die zweite große Papst-Veranstaltung vor dem „Aus”.

Die Zeit wird knapp

Hatten die kirchlichen Event-Manager in Hangelar noch alle Sympathien auf ihrer Seite, gab es nun auch viel Kritik zu hören, hinter vorgehaltener Hand. Weltjugendtags-Sprecher Matthias Kopp befand sich in Erklärungsnöten. Die erstmals in dieser Form gehaltenen „Tage der Begegnung” in den Diözesen würden dazu führen, dass rund 250.000 Menschen schon eine Woche vor Beginn der Kölner Veranstaltung in Deutschland sind. Außerdem habe man erfahren, dass weitere rund 200. 000 pünktlich anreisen wollen. Einen Grund, die Zahlen für den Abschlussgottesdienst am 21. August zu korrigieren, sah Kopp nicht. Dort bleibe es bei 800.000. Wird die Weltjugendtags GmbH von den Massen überrannt?

Viele andere Fragen im Umgang mit den Besuchern scheinen ungelöst, das Engagement von Topstars für das Rahmenprogramm läuft schleppend. Bekannt wurde jetzt auch, dass die „Toten Hosen” abgesagt haben. Auch die Sponsorengelder fließen bislang nicht so wie gewünscht. Die Zeit wird knapp. „Ein Ersatzgelände für die Poller Wiesen zu beschaffen, ist nicht mehr möglich”, so Günter Wieneke von der Stadt Köln.

Nach Informationen unserer Zeitung drängten Vertreter der Stadt schon seit Wochen auf eine Alternative oder zumindest eine Ergänzung zur Papst-Feier auf den Poller Wiesen. Eine Möglichkeit, die jetzt diskutiert wird: Die Eröffnungsfeier wird dezentral an mehreren Orten in Köln stattfinden.

Reisemarschall kommt

Neben den Poller Wiesen könnten drei bis vier weitere Plätze - darunter das RheinEnergieStadion - für ein Kulturprogramm ausgewählt werden. Der Papst würde an einem zentralen Ort wie im oder vor dem Dom zu den Pilgern sprechen, was dann über Leinwände übertragen würde.

Bis Ende Januar soll mehr Klarheit herrschen. Am 24. Januar kommt der Reisemarschall des Papstes nach Köln.