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Zülpich: Wo die Römer planschten: Zülpich bekommt Museum der Badekultur

Zülpich : Wo die Römer planschten: Zülpich bekommt Museum der Badekultur

Durch die wechselvolle Kulturgeschichte des Badens führt künftig ein Museum in der rheinischen Stadt Zülpich. Das erste deutsche „Museum der Badekultur” ist auf den Ruinen einer der besterhaltenen römischen Thermenanlagen nördlich der Alpen errichtet und soll im kommenden Juni eröffnet werden.

Dies teilten Sprecher der Stadt und der Museums-Förderstiftung am Dienstag mit. Neben der römischen Badeanlage als „Hauptexponat” des neuen Museums werden auf zusätzlich mehr als 700 Quadratmetern Zeugnisse zur Geschichte der Körperhygiene vom hölzernen Badezuber bis zur kargen Nasszelle und dem designten „Wellnessbereich” der Zukunft gezeigt.

Das neue Museum kostet rund 4,7 Millionen Euro, die unter anderem vom Land NRW, dem Kreis Euskirchen, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der NRW-Stiftung finanziert werden. Das „Museum der Badekultur” mit seinen langgestreckten Ziegel-Flachbauten wird - in Anlehnung an die technisch versierten Heizmethoden der Römer - mit einer hochmodernen Geothermie-Anlage beheizt.

Die 1929 bei Kanalbauarbeiten entdeckten Thermen von Zülpich machen „als herausragendes Beispiel römischer Architektur” Alltag und das hohe technisch-kulturelle Niveau der Epoche deutlich, sagte der Archäologe Prof. Heinz Günter Horn als Vorsitzender des wissenschaftlichen Museumsbeirates. Die mit ihren noch erhaltenen Wasserrohren aus Blei, steinernen Badewannen und ausgeklügelten Heizsystemen erhaltene Römertherme von „Tolbiacum” an der Fernstrasse von Köln nach Gallien war seit dem 2. Jahrhundert für fast 200 Jahre in Betrieb.

Römische Salbfläschchen, Spiegel, Kämme und „Badelatschen” belegen in dem künftigen Museum den Stellenwert der Körperpflege in der Antike. Als nach dem 30-jährigen Krieg viele Wasserleitungen zerstört waren, es an Brennholz und kundigen „Badern” mangelte, führte der Weg von der geselligen Badestube im Zeichen neuer Prüderie geradewegs zur privaten Badewanne. Auch ihre Entwicklung vom emaillierten Gebrauchsgegenstand aus Gusseisen zum modischen Designobjekt werde das Museum in Zülpich nachzeichnen.