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Aachen: Wo der Arbeitsplatz die ganze Welt ist

Aachen : Wo der Arbeitsplatz die ganze Welt ist

Studierende, die einen der heiß begehrten Plätze des Model United Nations (MUN) Workshop bekommen, sind vor lauter Freude meist ganz aus dem Häuschen. Für drei Wochen fliegen kleine Gruppen verschiedener Universitäten nach New York, um im UN-Hauptquartier im Rahmen des MUN Organe und Organisationen der Vereinten Nationen realitätsgetreu zu simulieren.

„Eine fantastische Erfahrung”, sagt Jan Müller, Soziologie-Student der Freien Universität Berlin.

Für den ersten Einstieg bei internationalen Organisationen muss es aber nicht immer gleich New York sein. Auch in Deutschland und seinen Nachbarländern gibt es für interessierte Studierende und Uni-Absolventen eine Reihe an Möglichkeiten. Seit sich der Einstieg ins Berufsleben nicht mehr unmittelbar an das Ende des Studiums anschließt, sind vor allem Praktika gefragter denn je.

Das limitierte Engagement überbrückt nämlich nicht nur die Zeit bis zu einer möglichen Einstellung, sondern verbessert auch die Aussagekraft des eigenen Lebenslaufs. In der freien Wirtschaft sind es die börsennotierten Unternehmen, die mit Bewerbungen überhäuft werden, bei Nachwuchskräften mit politischen oder sozialen Interessen stehen insbesondere die großen internationalen Organisationen auf dem Wunschzettel.

Dazu gehören die Vereinten Nationen mit ihren Unter- und Sonderorganisationen wie Unicef, WHO oder Weltbank genauso wie die Europäische Union, das deutsche Institut für Entwicklungspolitik oder Fachorganisationen wie OECD und OSZE.

Kontakte knüpfen

Lothar Mikulla ist Pressesprecher des regionalen Informationszentrums (Unric) der Vereinten Nationen für Westeuropa mit Sitz in Bonn. Die ehemalige Bundeshauptstadt beherbergt zwölf Organisationen, Programme und Büros der UN - und bei fast allen bietet sich die Möglichkeit zur Mitarbeit.

„Auch bei den Vereinten Nationen sind Praktika der beste Einstieg”, sagt Mikulla. „Und zwar deshalb, weil man sich mit dem System bekannt macht, weil man Kontakte knüpft und weil sich dadurch Möglichkeiten eröffnen, die man als kompletter Außenseiter gar nicht einsehen kann.”

Die Plätze für Jobs und Praktika sind nach Aussage des Pressesprechers zwar äußerst begehrt, „Praktikumsbewerber haben aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Stellen aber noch eine weitestgehend gute Chance”. Denn: Bei ausgeschriebenen Stellen kommen bei der UN mitunter 10.000 Bewerber auf einen Platz.

Die Voraussetzungen für eine aussichtsreiche Bewerbung wird von den namhaften internationalen Organisationen stets ähnlich skizziert: Von Respekt vor anderen Ländern und deren kulturellem Hintergrund ist die Rede, von Integrität, Aufgeschlossenheit und Fremdsprachenkenntnissen. Englisch ist unverzichtbar, jede weitere Sprache je nach Aufenthaltsort hilfreich.

Auch beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) häufen sich die Bewerbungen. Die internationale Ausrichtung verbunden mit entwicklungspolitischen Projekten hat für viele einen besonderen Reiz. Für einen fundierten Einstieg bietet das ebenfalls in Bonn beheimatete DIE neben einer Reihe Prakti-kumsplätze auch noch eine weitaus aussichtsreichere Variante an.

„Jedes Jahr werden von uns bis zu 22 Universitätsabsolventen in einem neunmonatigen Kurs auf dieses Berufsfeld vorbereitet”, erklärt Jürgen Wiemann, stellvertretender Direktor beim DIE. Nahezu alle Absolventinnen und Absolventen gelingt im Anschluss an den Kurs der Einstieg in entwicklungspolitische Organisationen im In- und Ausland.

Wer von vornherein ins Ausland möchte, sollte die breit aufgestellten Ausbildungsmöglichkeiten bei der Europäischen Union in Brüssel nutzen. Zwar übersteigt auch hier die Nachfrage bei weitem die Zahl der Plätze, dafür aber bieten die Generaldirektionen und Dienste der EU ähnlich der UN ein breites Spektrum unterschiedlichster Tätigkeitsfelder.

Das Europäische Amt für Personenauswahl (Epso) erleichtert mit seiner übersichtlichen und umfangreichen Internetseite die ersten Schritte ungemein. Größter Arbeitgeber ist die EU-Kommission mit rund 7350 Stellen. „Interessierte Nachwuchskräfte finden bei uns in der Kommission eine anspruchsvolle multikulturelle Arbeitsumgebung”, erläutert Francoise dEnnetieres vom Epso-Pressebüro in Brüssel. Berufserfahrung bei der EU-Kommission fördere die interne Arbeitsflexibilität und gewährleiste „eine breite Auswahl unterschiedlicher Herausforderungen”.

Erwartungen

Europa hautnah sozusagen. Für viele verlockend, trotz eines mitunter hohen Arbeitspensums. „Wir erwarten, dass die jungen Mitarbeiter ihre berufliche Laufbahn während ihrer Anstellung selbst strukturieren und weiter entwickeln”, so dEnnetieres. Praktika in der EU-Kommission dauern fünf Monate, der Zugang erfolgt in der Regel aber über ein allgemeines Auswahlverfahren.

Hilfestellung bei der Suche nach einem passenden Platz in der Welt der großen internationalen Adressen bietet die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Das zugehörige Büro „Führungskräfte zu internationalen Organisationen” (BFIO) arbeitet eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen und ist stets, wie man dort hört, über den personellen Bedarf informiert.

„Wir wissen genau, wo Nachwuchskräfte gesucht werden und welche Qualifikationen für eine chancenreiche Bewerbung notwendig sind”, sagt ZAV-Pressesprecherin Sabine Seidler. Ein Service, den man nutzen sollte.

Wer sich für ein Praktikum in einer internationalen Organisation interessiert, findet wichtige Hinweise auf diesen Seiten:

Vereinte Nationen: http://www.unric.org/arbeit.html

Europäische Union: http://www.europa.eu/epso/working/workhome_de.htm

Dt. Institut für Entwicklungspolitik: http://www.die-gdi.de/die_homepage.nsf/FSdpra?Openframeset

Zentralstelle für Arbeitsvermittlung: http://www.arbeitsagentur.de (Siehe: Arbeitnehmer Informationen/ Internationales)

Nato: http://www.nato.int

OSZE: http://www.osce.org

OECD: http://www.oecd.org