1. Kultur

Aachen: Wo, bitteschön, geht´s hier ins Maxim?

Aachen : Wo, bitteschön, geht´s hier ins Maxim?

Die Theaterleute sind wieder in der Stadt. Und wie es sich gehört, starten sie diesen Samstag ab 14 Uhr mit einem großen Fest für alle in die neue Spielzeit.

Es gibt Live-Musik, Führungen durchs Haus, man kann Kostüme kaufen oder Theater in einem Shuttlebus erleben, der auch zum Theater 99, zum Theater K und zur Barockfabrik fährt. Damit fällt traditionell der Startschuss für die neue Spielzeit. Was die Theaterfreunde und alle, die es noch werden wollen, dort erwartet, erfahren Sie hier von A bis Z - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

A wie „Aida”. Mit der Verdi- Oper, einem Gassenhauer des Repertoires, geht es am Sonntagabend los im Großen Haus. Ewa Teilmans hat die dramatische Geschichte von der nubischen Prinzessin, die nach Ägypten als Geisel verschleppt wurde, und dem Heerführer Radames inszeniert; am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch. Die Premiere ist seit langem ausverkauft. Was sich Regisseurin und Dirigent alles ausgedacht haben, das lesen Sie heute in unserer Wochenendbeilage.

B wie Bühnenbretter. Die bedeuten ja bekanntlich die Welt. Im Aachener Theater waren sie allerdings zuletzt reichlich ramponiert; wer barfuß darüber hüpfte, der lief Gefahr, sich einen Splitter einzufangen. Deshalb wurde der Boden komplett neu verlegt.

C wie Cohrs, Heino, auch gerne Doyen des Aachener Theaters genannt. 85 ist er mittlerweile, und noch immer will sich der so angenehm unaufgeregte Schauspieler nicht zur Ruhe setzen. Zum Glück für das Publikum. Ab 5. September ist er in der Kammer in „Effi Briest” nach dem Roman Theodor Fontanes zu sehen - als alter Briest, was irgendwie Sinn macht. Regie führt Lukas Popovic, noch so ein „alter Hase”.

D wie Graf Danilo, den man sich im Frack und mit weißem Schal, also wie Jopi Heesters vorstellen muss. In Franz Lehárs „Die lustige Witwe” zieht es ihn immer wieder ins Maxim, zu Lolo, Dodo, Froufrou und den anderen Mädels. Doch im Mittelpunkt der Operette, ab 8. Februar in den Inszenierung von Adriana Altaras zu sehen, steht eigentlich Hanna Glawari, die schöne, reiche, starke, selbstbewusste - und eben lustige Witwe.

E wie Ensemble. 17 Schauspielerinnen und Schauspieler gibt es in dieser Spielzeit am Theater Aachen - sechs Neuzugänge (Stefanie Dischinger, Katharina Merschel, Oleg Zhukov, Torsten Borm, Thomas Hamm und Elke Borkenstein, die in der letzten Spielzeit Gast war) und sechs Abgänge (Nicole Tobler, Hauke Heumann, Matthias Bernhold, Johanna Falckner, Thomas Hechelmann, Tobias Fend). Als Gäste kommen Heinz Kloss und Markus Schramm hinzu. Bei den elf Sängerinnen und Sängern plus Gästen gab es nur einen Zugang: Sung-Jing Kim.

F wie Fräulein Andacht. Das ist das gar nicht so nette Kindermädchen, das Pünktchen in Erich Kästners Kinderbuch-Klassiker zum Betteln schickt, wobei sie dann den Anton kennenlernt. Der unverwüstliche Stoff wird von Ulrich Hüni zum Familienstück rund um die Weihnachtszeit aufgearbeitet. Premiere ist am 6. November.

G wie Geld. Ein leidiges, ein schwieriges Thema für jedes Theater. Die Kommunen klagen über notorisch knappe Kassen, das bekommen natürlich auch die hochsubventionierten Häuser zu spüren. In Aachen stehen in dieser Spielzeit 18,4 Millionen Euro zur Verfügung, wovon das Theater drei Millionen selbst erwirtschaften muss. Der von der Politik vorgegebene Konsolidierungsbeitrag liegt bei 670.000 Euro,

H wie Hoffmann, Reinhild. Die Choregraphin zählt zu den Pionieren des deutschen Tanztheaters. Opernregisseurin ist sie auch, in Aachen bringt sie ab 19. Oktober Richard Strauss´ „Salome” auf die Bühne. Nicht nur auf den Schleiertanz darf man gespannt sein.

I wie Installation. Gehört heute irgendwie dazu, wenn es um Kunst geht. Für „Terror. Revolte. Glück” - eine „Theater-Installation mit verschiedenen Schichten und Medien”, hat Albert Camus die Vorlage geliefert; die Inszenierung von Ludger Engels (Premiere am 6. Dezember) soll sich auf der Bühne, in der Kammer und im Foyer abspielen.

J wie Jenken Nordalm. Die Regisseurin bringt ab dem 6. Februar ein Projekt mit alten und über alte Menschen in die Kammer: „Heut´ werde ich nicht alt”.

K wie Kooperation. Wird höchst effektiv mit dem Theater Freiburg gepflegt. Ludger Engels hat Mozarts vier Herrscherdramen inszeniert und auch im Breisgau auf die Bühne gebracht. Den Abschluss bildet ab 29. März „Lucio Silla”. In der kommenden Spielzeit sollen dann alle Opern („La Clemenza di Tito”, „Idomeneo”, „Mitridate” und „Lucio Silla”) an vier aufeinanderfolgenden Abenden aufgeführt werden.

L wie Lounge. Ein Ort, an dem man chillen (neudeutsch für entspannen) kann. Das Foyer vor den Kammerspielen wird entsprechend umgebaut - auf dass man nach der Vorstellung noch Gelegenheit zum chilligen Plausch hat.

M wie Macheath, auch Mackie Messer genannt. Treibt in der „Dreigroschenoper” von Bert Brecht und Kurt Weill in Soho sein Unwesen und landet fast am Galgen. Die Ganovenmoritat wird in Aachen von Deborah Epstein inszeniert, für die musikalische Leitung ist Heribert Leuchter zuständig, als Mackie Messer stellt sich Tobias Borm vor. Premiere ist am 20. September.

N wie Nadeln. Die wurden früher in Aachen massenhaft produziert. Die Zeiten sind vorbei. Aber immerhin lässt sich ein ehemaliger Produktionsstandort wie der der Rheinnadel GmbH am Aachener Reichsweg prima als Spielfeld fürs Theater nutzen. Ab Herbst wird dort eine Fassung von Skakespeares Klassiker „Romeo und Julia” gegeben, auf der Bühne stehen Jugendliche aus dem „Problemviertel” Aachen-Ost. Eine Koproduktion mit dem THEATERausBruch.

O wie Outopia. Dieser Ort ist eine Insel, auf der nichts so ist, wie wir es gewohnt sind. Kein Wunder also, dass sich Choreographen, Komponisten, Tänzer, Schauspieler und bildende Künstler auf die Suche danach begeben: Das Tanztheaterprojekt für acht Tänzer und zwei Schauspieler hat am 10. Oktober in der Kammer Premiere.

P wie Preise. Da gibt es keine Veränderungen, weder nach oben noch nach unten. Auch das Abo bleibt unverändert.

Q wie Quotentheater. Das wollen sie in Aachen natürlich nicht sein, aber trotzdem schaut man - zumal in der Politik - gerne auf die Zahlen. In der vergangenen Spielzeit waren rund 134.000 Zuschauer in den Vorstellungen - das beste Ergebnis seit zehn Jahren.

R wie Rot. Das war die Farbe, die in der vergangenen Spielzeit im Mörgens vorherrschte. Auch in der neuen wird es dort einen Einheitsraum geben. Gestaltet hat ihn Dominik Huber, der das Bühnenbild für den „Gott des Gemetzels” gebaut hat. Zu sehen gibt es dann wieder „Junges Theater für alle”.

S wie Sehnsucht. Davon sind Heldinnen und Helden der Geschichten erfasst, die auf den Bühnen des Theaters zu sehen sein werden. „Radikal sehnsüchtig” lautet das Motto der Spielzeit, man will damit den „Finger auf die Wunden und schmerzenden Stellen unserer (Welt-)Gesellschaft” legen, wie Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck im Programmheft schreibt. Wir werden sehen.

T wie Toiletten. Auch das gilt es zu vermelden: Die Nasszellen, die bislang einen eher spröden Charme versprühten, sind rundum erneuert worden.

U wie „Urfaust”. Eines der Stücke, die als Wiederaufnahme aus der vergangenen Spielzeit zu sehen sein werden. Außerdem: Verdis „Rigoletto” und Dürrenmatts „Besuch der alten Dame”.

V wie Vaclav Havel. Der war nicht nur Staatspräsident der Tschechischen Republik, sondern war und ist auch ein bedeutender Schriftsteller. Als deutschsprachige Erstaufführung ist in Aachen sein Stück „Abgang” zu sehen, in dem er seine Erfahrungen als Politiker verarbeitet. Premiere ist am 25. April.

W wie Woyzeck. Der ist zwar nicht auf der Bühne zu sehen, Büchners an sich und der Welt zerbrechender Held kann aber Vorbild für Danny gelten, dem Held in „Motortown”. Ewa Teilmans bringt das Stück des derzeit schwer angesagten Briten Simon Stephens über die Spuren, die ein Krieg in der Gesellschaft und in den Menschen hinterlässt, ab dem 17. Januar auf die Bühne.

X wie Xylophon. Wir wissen nicht, ob dieses Instrument in dieser Spielzeit zum Einsatz kommen wird, aber in einem so hervorragenden Sinfonieorchester wie dem Aachener gibt es selbstverständlich jemand, der es bedienen könnte. Die 67 Musiker werden nicht nur die Musikproduktionen am Theater bereiten, sondern natürlich ihr so erfolgreiches Konzertprogramm fortsetzen. Davon zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Y wie Yikun Chung. Der südkoreanische Tenor ist seit der Spielzeit 2006/2007 in Aachen. Er begeisterte als „Allzweckwaffe” in den großen Rollen seines Fachs: als Rudolfo in Puccinis „La Bohme”, „Werther” in Massenets Oper, Hoffmann in Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen”. In dieser Saison ist er im Theater erneut als Herzog in Verdis „Rigoletto” und als Radams in der „Aida”.

Z wie Zipfelmütze. Die spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle im „Räuber Hotzenplotz”. Den unverwüstlichen Klassiker von Otfried Preußler rund um den gleichnamigen Ganoven, Kasper und Seppel, den Zauberer Petrosilius Zwackelmann und den grandiosen Wachtmeister Dimpfelmoser hat Andreas N. Tarkman zu einer Kinderoper verarbeitet - eine Auftragsarbeit für das Theater Aachen, die am 3. April ihre Uraufführung erlebt.