1. Kultur

Alsdorf: Winterlust und Zuckerguss: Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters

Alsdorf : Winterlust und Zuckerguss: Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters

Ein charmanter Dirigent wie Karl Shymanovitz ist schon die halbe Miete bei einem Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Aachen in der wenig pompös-barock ausgestatteten Stadthalle in Alsdorf.

Shymanovitz, amerikanischer Kapellmeister in Diensten des Stadttheaters, führt mit so süßem Akzent und so ungeschnörkelt kurzweilig durchs Programm, dass man sich die Umgebung einfach wegdenkt. Und dirigieren kann er auch noch.

Als „internationale Häppchenplatte“ preist der ansonsten sachlich und genau zu Werke gehende Orchesterleiter den ersten Programmteil an. Glinkas „Rusian und Ludmilla“-Ouvertüre rauscht da rasant mit hellwachen Pauken und Kontrabässen durchs Büffet, Tschaikowskys Onegin-Polonaise, ein „Faust“-Walzer von Gounod, Bizets große Erste „Carmen“-Suite und andere Ohrwürmer wollen und dürfen mit Lust und Appetit vernascht werden.

Zwischendurch gibt’s noch ein paar Leckerbissen von Offenbach, die berühmte „Barcarole“ schaukelt zwischen lachsfarben illuminierten Vorhängen hindurch, zum „Cancan“. Für die berühmte Arie der Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“ tritt mit der französischen Sopranistin Anne-Aurore Cochet eine schmucke, mit aller nötigen Technik begabte Sängerin an die Rampe. Sie perlt wie aufgezogen Koloraturen bis in höchste Höhen daher. Cochet ist die diesjährige Stipendiatin der Theater-Initiative Aachen.

Im zweiten Teil ranken sich die Sträuße um das „Vilja-Lied“ aus Lehars „Lustiger Witwe“, bei dem Anne-Aurore Cochet andere Register zeigen kann. Wie schon im ersten Teil schlägt sich das Sinfonieorchester Aachen achtbar in der wenig schmeichelnden Akustik des Mehrzweckraums, das Blech röhrt bisweilen etwas stark, im Holz knarzt es ab und zu. Aber die Schlittenglocken bei der Schellpolka „Winterlust“ kommen ebenso zur Geltung wie der allfällige Zuckerguss aus Becken und Triangel, der so manche Walzerseligkeit versüßt.

Man gibt die „Fledermaus“-Ouvertüre, den Frühlingsstimmen-Walzer und die Champagner-Polka, „Unter Donner und Blitz“ sowie die obligatorischen Rausschmeißer „An der schönen blauen Donau“ und den Radetzky-Marsch. Das Solocello schwelgt, die Große Trommel rumst. Und allseits herrscht gute Laune und Optimismus für das Neue Jahr.

Der Applaus für die Musiker findet im Stehen statt.