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Aachen: Wieder mal vor Gericht: Die Reemtsma-Entführung

Aachen : Wieder mal vor Gericht: Die Reemtsma-Entführung

Wo ist das Geld aus der Reemtsma-Entführung? Zwölf Jahre nach einem der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte wird es in Aachen zu einem weiteren Prozess kommen, der sich mit dieser Frage beschäftigt.

Angeklagt wegen Geldwäsche in besonders schwerem Fall ist der engste Vertraute des Hauptentführers Thomas Drach, der 2001 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden war.

Wenn einer weiß, wo die noch fehlenden rund 14 Millionen Euro sind, dann ist es Bernd Kramer, der Verbindungsmann des damals in Rio de Janeiro abgetauchten Thomas Drach.

Im Januar 2008 war Kramer, der in der Nähe von Rio eine Kneipe betrieben hatte, von den brasilianischen Behörden nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach intensiven Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Aachen nun Anklage gegen ihn erhoben.

Öffentlich äußern mag sich Oberstaatsanwalt Robert Deller nicht, ob die Fahnder aus dem Dreiländereck immer noch auf der Fährte der 14 Millionen Euro sind. „Ich werde zu diesen Dingen nichts sagen.” Weshalb? „Weil vielleicht noch nicht aller Tage Abend ist.”

Der Hamburger Multimillionär Jan Philipp Reemtsma war 1996 entführt, nach 33 Tagen gegen Zahlung von 12,5 Millionen Schweizer Franken sowie 15 Millionen Mark wieder freigelassen worden, die 1000er-Scheine waren nummeriert und registriert.

Der größte Teil des Geldes, das bisher aufgetaucht ist, wurde im Dreiländereck sichergestellt. Zuvor war es an bisher nicht bekannter Stelle in Dollar umgetauscht worden. Spuren des Kidnappings hatten immer wieder in den Raum Aachen/Köln geführt.

Die Vorwürfe, die Bernd Kramer gemacht werden, gehen im Wesentlichen auf die Erkenntnisse aus drei aufsehenerregenden Prozessen vor dem Aachener Landgericht zurück, vor allem gegen einen Physiotherapeuten, der zeitweise bis zu zehn Millionen Mark in seiner Praxis an der Aachener Aureliusstraße aufbewahrte.

Er war jedoch eher ein Helfershelfer, der mit einem aufwendigen Lebensstil mehr als verabredet aus der Beute verbraucht hatte. Als Bernd Kramer seine 750.000 Dollar zurückverlangte, fingierte er einen Raubüberfall auf sich selbst, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde. Der Physiotherapeut, der nach seiner Festnahme auspackte, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Bernd Kramer werden nun die gleichen Straftaten zur Last gelegt. Die Aachener Anklagebehörde geht davon aus, dass Hauptentführer Thomas Drach schon kurz nach dem Erhalt des Lösegeldes seinen Bruder Lutz und seinen Freund Bernd Kramer mit der Geldwäsche beauftragte.

Eine Zeitlang wurden sechs Millionen Schweizer Franken bei einem Mittäter in Erftstadt zwischengelagert und von dem Physiotherapeuten in zwei Tranchen nach Madrid gebracht.

Auftraggeber damals, so die Aussage des Physiotherapeuten: Bernd Kramer. Übergeben wurde das Geld von Lutz Drach. Danach wurde das Geld wieder nach Aachen zurückgebracht, teilweise versteckt in den Türen eines Pkw.

Die Gründe für die Rückholung kennen die Ermittler nicht. Später wurden die Millionen am Lütticher Hauptbahnhof einem Unbekannten übergeben. Seitdem sind sie verschwunden.

350.000 Dollar nach Brasilien

Bereits 1999 hatte Bernd Kramer nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft 350.000 Dollar durch den Physiotherapeuten als Kurier nach Brasilien bringen lassen.

Wenn die zuständige Strafkammer die Anklage zulässt, was wohl eine Formsache ist, dürfte in einigen Monaten das Hauptverfahren eröffnet werden. Das wird nicht sehr lange dauern, da Bernd Kramer die ihm zur Last gelegten vier Geldwäsche-Taten zugegeben hat. Ihm droht eine Strafe von bis zu zehn Jahren Haft.