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Köln: Wie Mäuschen spielen im Rotlicht-Viertel

Köln : Wie Mäuschen spielen im Rotlicht-Viertel

Selbst unter hartgesottenen Fans löst sie derzeit Kontroversen aus: Die „FutureSex/LoveSounds”-Tour 2007 von Justin Timberlake. Den Titel verdankt die knapp zweistündige Show der gleichnamigen zweiten CD des 26-Jährigen, die Anfang September 2006 heraus kam.

Gigantisch oder geschmacklos? Kult oder Kirmes? Von der Akustik her kurz vor Körperverletzung oder die perfekte Klangkulisse für eine Riesenparty?

18.500 Menschen hatten nun in der Kölnarena Gelegenheit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sie erlebten, das wird wohl niemand bestreiten, ein Konzert der Superlative. Timberlake, Mitte der 90er-Jahre umjubelt als Frontmann der Boygroup „N Sync” und seit der CD „Justified” (2002) nicht minder erfolgreich auf Solo-Pfaden, fährt ganz, ganz dick auf.

Bühnenlandschaft

Das, was sich da im Zentrum des Innenraums ausbreitete, war keine Bühne, sondern eine Bühnenlandschaft. Mit einer runden Hauptbühne, zwei runden Nebenbühnen und zwei langen Laufstegen. Mit zwei VIP-Lounges, mit Barhockern, die für bis zu 400 Euro pro Fan versteigert werden sollten, und einer hydraulischen, durchsichtigen Konstruktion aus drei Leinwänden, die, je nach Set-Liste, die Akteure als zylindrischer Kokon oder Halbrund umschlossen.

Mit 14 Musikern, neun Tänzern und vier Backgroundstimmen. Zeitweilig tummelten sich auf fünf Bühnenelementen 28 Personen. Genau das ist das Problem. Parallel passierte viel zu viel. Was da abging, hatte etwas von einer diffusen Mischung aus Musical-Choreografie, Modenschau für Streatwear und dem Glauben, man dürfe, auch unter 18 im Rotlicht-Viertel von Amsterdam mal Mäuschen spielen.

Mitten drin: Justin Timberlake. Tänzerisch in Top-Form., trainiert, adrett und smart. Raspelkurze Haare, roter Schattenbart, Business-Outfit. Sehr beweglich, nicht nur in den Hüften.

Riesenparty

Und die Musik? Hätten wir fast vergessen vor lauter Lasershow, Gospelchor auf der Gaze-Leinwand und pseudo-erotischen Trockenübungen. Es gab an diesem Abend in der Hauptsache Stücke von „FutureSex/LoveSound”, aber auch Lieblinge von „Justified” wie „Like I Love You”, „Rock Your Body” oder „Cry Me A River”.

Justin Timberlake kann singen. Und Kracher wie „Damn Girl” oder „Sexy Back” - mit ihrer heißen Melange aus Pop, HipHop und RhythmnBlues - haben Potential. Für eine Riesenparty - und diese Dimension erreichte das Kölner Konzert für viele - genau richtig. Für die im Unterrang Block 215, Reihe 1, aber kurz vor der Schmerzgrenze.

Weniger wäre mehr gewesen. Nicht nur, was die Bässe auf die Ohren angeht. Dass das durchaus funktioniert, hat Justin Timberlake im Juli 2006 vorgemacht. Beim Showcase für seine Tour im Kölner E-Werk. Aber da waren auch nur 2000 Menschen.