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Aachen: Wie Egidius Sch. präzise seine Taten schilderte

Aachen : Wie Egidius Sch. präzise seine Taten schilderte

Verteidiger Rainer Dietz (Aachen) wollte am Montag im Verfahren gegen den mutmaßlichen Serienmörder Egidius Sch. (51) alles ganz genau wissen, quälte das Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) bis in den Nachmittag mit akribischen Nachfragen zu Selbstverständlichem.

Zeugen aus den Reihen der Polizei wie auch den DNA-Gutachter Frank Tschentscher (Landeskriminalamt, LKA) traf die erneute Wissbegier des Anwalts. Der konnte allerdings kaum verhindern, dass sich die Schlinge um den Hals seines Mandanten immer enger zuzieht. Erneut stand vor der Kammer das Geständnis des ehemaligen Versicherungskaufmanns aus Niederkrüchten, der zwischen 1983 und 1990 fünf junge Frauen ermordet und zuvor zum Teil vergewaltigt haben soll, auf der Tagesordnung.

Zwar bemängelte Anwalt Dietz das Fehlen einer der Rechtsform entsprechenden Belehrung seines Schützlings auf dem Revier. Doch die Aussagen der zwei Polizisten, die die Vernehmungen des durch einen zufälligen DNA-Treffer aufgefallenen mutmaßlichen Sexualmörders durchführten, scheinen trotz des von seiner Ehefrau losgetretenen Sado-Maso-Medienhypes keine wirklichen Zweifel mehr an der Ernsthaftigkeit des Geständnisses von Egidius Sch. zuzulassen.

Am 16. und 17. August 2007 gab der seit seinem „21. Lebensjahr”, wie es hieß, von sadomasochistischen Sexpraktiken besessene Mann eine Tat nach der anderen zu, führte die Kripomänner am 21. August bei einer gespenstischen Rundfahrt aus dem Gedächtnis heraus zu vier der fünf Auffindeorte der Mädchenleichen, zeigte ihnen dazu jene Stellen zwischen Aachen und Geilenkirchen, an denen er nachts die jungen Anhalterinnen aufgegabelt hatte. Kripomann Jürgen D. (41) war der Kumpeltyp bei den Verhören. „Er hat mir vertraut”, beschrieb der Stolberger Polizist seine Rolle gestern.

Die Vernehmungssituation wurde am ersten Tag gegen Abend ungemütlich. Da hatte der Beschuldigte seine Täterschaft bei der Ermordung der 17-jährigen Angelika S. gestanden. Bei ihr hinterließ er 1984 tief im Genitalbereich des Mädchens mit seinem Sperma einen eindeutigen genetischen Fingerabdruck, der seit 2003 in der LKA-Datenbank gespeichert war. An jenem Verhörabend, schilderte der Beamte Thomas M. (41) weiter, wurde der Tatvorwurf auf „den Mord an Frau N.” erweitert.

Erst da ging dem Verdächtigen ein Licht auf, dass er gerade die Zeitreise in die Abgründe seines Trieblebens antrat. Am Endes des Tages bekräftigte er großspurig: „Ich stehe zu meinem Wort”. Am zweiten Tag ging es nun um alle fünf jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Er schilderte zunächst, wie er Angelika S. die Hände fesselte, sie vergewaltigte und schließlich tötete. Warum? Es sei „über ihn gekommen”, er habe „seine Geilheit” nicht zurückhalten können. Dann habe „er ein Problem” beseitigt. Gänsehaut im Gerichtssaal.

Klar ist jetzt weiter: Das DNA-Gutachen des Biologen Tschentscher weist wissenschaftlich eindeutig übereinstimmende DNA nach - mit einer Sicherheit von eins zu einer Billion. Am Donnerstag steht ein weiteres Gutachten auf dem Prozessprogramm.