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Düsseldorf: „West Side Story”: Ewig junge Geschichte löst Gänsehaut aus

Düsseldorf : „West Side Story”: Ewig junge Geschichte löst Gänsehaut aus

Am 26. September 1957 hatte „West Side Story” Premiere am Winter Garden Theatre in New York. Das Buch von Arthur Laurents, die Musik von Leonard Bernstein, die Songtexte von Stephen Sondheim und die Choreographie von Jerome Robbins machten die Geschichte um Maria aus Puerto Rico und den von polnischen Einwanderern abstammenden Tony, die zu zwei sich bekämpfenden Jugendbanden gehören, zum Welterfolg.

Die Verfilmung 1961 erhielt zehn Oscars. Aus Anlass des 50. Geburtstags ist das Ausnahme-Musical nun auf Welttournee. Nach Zürich, Leipzig und Baden-Baden gastiert die Produktion jetzt in Düsseldorf. Mittwochabend war Premiere in der Düsseldorfer Rheinoper. Begeistert wurden die 36 Darsteller und die 25 Orchester-Mitglieder gefeiert.

Die Standing Ovations und der stürmische Applaus waren verdient. Auch mehr als 50 Jahre nach der Erstaufführung elektrisiert „West Side Story”. In dieser Inszenierung vom ersten Moment an. Wenn die Jets (die in den USA geborenen Amerikaner polnischer Herkunft) und die Sharks (die eingewanderten Puerto-Ricaner) im Prolog ihre Rivalität tänzerisch darstellen, liegt eine Spannung in der Luft, die man meint, mit Händen greifen zu können.

Wunderbar modern

Was die Akteure zeigen, wirkt wunderbar modern: eine Mischung aus Modern Dance und klassischer Schule. Tatsächlich handelt es sich aber um die Original-Choreographie von Jerome Robbins, die dessen ehemaliger Assistent Joey McKneely akribisch rekonstruiert hat.

Auch das im Graben vor den Blicken des Publikums verborgene Orchester leistet Großartiges und bewältigt Bernsteins Partitur, die höchste Ansprüche stellt, mit feinem Gespür für die expressionistisch-schroffen Klangfarben im Spannungsfeld zwischen Jazz, Oper und Neuer Musik. Neu hingegen ist die Bühnendekoration, die im Wesentlichen aus zwei schwenkbaren Metall-Konstruktionen besteht, die die Balkone und Feuerleitern der Upper West Side im New York der 50er Jahre darstellen, während im Hintergrund, auf einer Leinwand, Bilder von Wolkenkratzern und Straßenzüge in jener Zeit eingeblendet werden.

Zur stimmigen Schlichtheit passen sparsame Akzente wie Kleiderständer und Schaufensterpuppen, eine Jukebox und eine Sitzgruppe im Drugstore. Alles im Look der 50er Jahre und in Szene gesetzt mit einfühlsamer Licht-Regie.

In zweieinhalb Stunden (mit Pause) zieht die Jubiläums-Inszenierung die Zuschauer in Bann. Das liegt auch an den Hauptdarstellern - einer wunderbar frischen Maria (Sofia Escobar), deren mädchenhaft-süßer Sopran perfekt mit dem weichen, fülligen Timbre des Tony (Scott Sussmann) harmoniert.

Tanznummern, die atemberaubend choreographiert sind, Szenen, die mit einer Inbrunst gespielt werden, die sie meilenweit von anderen, flacheren Vertretern des Genres abhebt, vortreffliche Interpretationen von „Maria”, „Tonight” und „America”.

Mehr als einmal wird man von Gänsehaut gepackt, so ergreifend und anrührend gerät die ewig junge Geschichte zweier Liebender und ihrer tragischen Verstrickung in den Krieg der Straße.