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Aachen: Wenn „Ursula voller Leiden” als Schwan auf dem Teich Kreise zieht

Aachen : Wenn „Ursula voller Leiden” als Schwan auf dem Teich Kreise zieht

Einige treue Meisterkonzertbesucher, so munkelte man im Vorfeld, hätten ihre Karten Bekannten zur Verfügung gestellt, weil sie Norbert Blüm nicht als Erzähler in Camille Saint Saens Karneval der Tiere erleben wollten. Ihre Sorgen erwiesen sich jedoch als weitgehend unbegründet.

Zwar führte Blüm bei der Karnevalsveranstaltung Berlins Politker als Tiere in die Manege, doch blieben seine Anspielungen auf das politische Tagesgeschäft dezent. Es gab einige nette Pointen. So etwa, wenn er „Ursula voller Leiden” als weiße Schwänin im mondbeschienenen Teich ihre Kreise ziehen ließ, während sieben kleine Schwäne im Schilf hockten und der Vater gerade den Jüngsten stillte. Auch der AKV bekam sein Fett weg. „Nobby” ist offensichtlich nachtragend.

Einer Gefahr entging auch Blüm nicht: Die aufgeplusterten Texte neigen dazu, die eigentlich zarte, intime, von geistvollen Anspielungen geprägte Musik totzuschlagen. Das bezog sich auch auf die Lautstärke der Anlage, so dass der Sprecher letztendlich lauter war als die Musik. Letztere war allerdings bei den Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny in besten Händen.

Das blitzte und funkelte und war an Tonschönheit kaum zu überbieten. Lediglich von den beiden Pianisten Ulrich Meining und Damian Zydek hätte man sich etwas mehr Eigenprofil gewünscht.

Zuvor hatte das Dresdener Ensemble ein Musterbeispiel aktueller Haydn-Interpretation geboten: Da wurde mit reduziertem, genau kalkuliertem Vibrato gespielt, vorbildlich und lebendig artikuliert, es wurden scharfe dynamische Kontraste gesetzt und einige atemberaubend schöne Klangwirkungen erzielt. Ähnliches galt für die Wiedergabe der Sinfonie g-Moll von Johann Christian Bach, aus der schwer Funken zu schlagen sind, die aber in dieser vitalen und absolut perfekten Interpretation geradezu spannend wirkte.

Genau das Gegenteil davon machten die beiden Pianisten Ulrich Meining und Damian Zydek bei der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert c-Moll. Ihr Spiel war völlig konturenlos, weich, ohne jede Initiative, klanglich völlig indifferent, ohne Artikulation und Temperament. Das war stilistisch dermaßen neben der Spur, dass es fassungslos machte. Der Kontrast zum exzellent spielenden Orchester hätte kaum krasser sein können.