Aachen: Weltmusikalischer Dialog: Leuchter und Najem treten in Aachen auf

Aachen: Weltmusikalischer Dialog: Leuchter und Najem treten in Aachen auf

Sein Ton ist weicher geworden, die Tonlinien fließen still und beständig, dann lässt er die Melodie anschwellen, um irgendwann wieder sehr leise, sehr fein im Akkordeon „auszuatmen“: Manfred Leuchter lächelt. „Ja, vielleicht liegt die neue Sanftheit an meinem neuen musikalischen Partner.“

Mohamed Najem kommt aus Palästina und ist ein Meister auf der Klarinette. Gemeinsam mit Leuchter stand er in Ramallah auf der Bühne und im Studio, auch in Bethlehem und in vielen deutschen Städten — am 25. Oktober treten die beiden unter dem sinnigen Motto „Begegnung“ in Aachen auf, nachdem sie zuletzt im Quadrum des Aachener Doms das Publikum im Rahmen der Feierlichkeiten rund um „800 Jahre Karlsschrein“ begeistert haben.

Der Kontakt zwischen Manfred Leuchter (55) und Mohamed Najem (30) ist relativ frisch. Leuchter erinnert sich gut. „Es war eine umfangreiche, nette und extrem höfliche Mail, auf die ich lediglich mit einem kurzen ,Yes‘ geantwortet habe.“ Damals bat Najem den deutschen Akkordeonisten mit Hang zur Weltmusik darum, nach Ramallah zu kommen, wo er Leuchter über zehn Jahre zuvor bei einem seiner zahlreichen Auslandskonzerte gehört und gesehen hatte. Und er lud den Deutschen, der afro-orientalische Klangmuster gern mit europäischer Klassik und Jazz verbindet, nicht nur einfach so zum Konzertieren ein, sondern um bei der Einspielung seines Debüt-Albums mitzuwirken.

Ein großes Privileg

Es wurde eine Freundschaft daraus. „Ich habe mich vorher natürlich erkundigt, wer mich da fragt“, gesteht Leuchter. Und der syrische Klarinetten-Star Kinan Azmeh gab Auskunft. „Er schwärmte geradezu von Mohamed“, erzählt Leuchter. Wenn er seine internationalen Aktivitäten rückblickend betrachtet, freut er sich über bereichernde menschlich-musikalische Begegnungen.

„Ich erlebe es immer wieder, dass Gutes zu mir zurück- kommt, eigentlich müsste ich für meine Arbeit sogar noch Vergnügungssteuer zahlen“, meint Leuchter nachdenklich. „Ich genieße es, mit Kollegen aus aller Welt zu arbeiten, das ist ein großes Privileg.“ Als Produzent für verschiedene Künstler, unter anderem seit Jahren Reinhard Mey, bleibt Leuchter im Hintergrund. Gab es bisher die Arbeitsphasen mit Mey in Aachen, so hat er diesen Teil seiner Aktivitäten inzwischen nach Berlin verlegt — praktisch, denn hier wohnt Reinhard Mey.

Wenn sich Manfred Leuchter heute beschreibt, dann so: „Ich bin noch immer ein Suchender.“ Seine Erfahrungen und sein Wissen, nach Möglichkeit seine besondere Sicht auf Menschen, Länder und deren Musik möchte er weitergeben. Eine gute Gelegenheit dazu bietet sich an der Landesmusikakademie NRW in Heek, wo Leuchter kürzlich neben Lydie Auvray zu den Dozenten gehörte.

„Weltmusik in ihren europäischen Facetten“ lautete der für ihn nahezu maßgeschneiderte Titel des viertägigen Kurses. „Auf so einen Meisterkurs muss selbst ich mich vorbereiten“, erzählt er. Als Dozent sei er schließlich eine „ungelernte Kraft“. Im Rahmen der Akademie-Tage konnten die Akkordeon-Studenten aus ganz Deutschland eine Menge über orientalische Skalen, Polyphonie und Melodie erfahren — mit Praxisbezug.

Beim Aachener Konzert werden Leuchter und Najem zeigen, wie faszinierend es ist, die Kulturen miteinander zu verweben, und dennoch eine persönliche Klangsprache zu pflegen, Eigenkompositionen inklusive.