Würselen: Welthits im flotten Alpen-Stil

Würselen: Welthits im flotten Alpen-Stil

Babylonische Sprach-, Geographie- und Genreverwirrung der unterhaltsamsten und vergnüglichsten Art auf Burg Wilhelmstein.

Die österreichische Band Global Kryner mixte die slowenische Oberkrainer Musik mit Jazz, Rock, Pop, Funk und HipHop aus aller Welt und erklärte den Open-Air-Auftritt in Würselen kurzerhand zu ihrem „ersten Konzert in Holland”. Die niederländischen Fans, die gleich busweise angereist waren, jubelten begeistert.

Dazu unterhielt Moderator und Klarinettist Christoph Spörk, das Publikum auf Deutsch, Englisch und Spanisch und erklärte das Konzert zum „Ländermatch zwischen Holland und Deutschland mit österreichischem Schiedsrichter”.

Global Kryner wollen, so das Selbstverständnis des Sextetts, „den Oberkrainersound aus der Bierzeltseligkeit in ein seriöses World-Music-Genre” übersetzen, und beweisen, dass jedes Lied, jede Melodie aus Pop, Jazz und Klassik verkrainert werden kann. Im Prinzip ist die seit 2002 bestehende Gruppe also eine Coverband mit einigen eigenen Stücken, die Welthits im Alpenrock-Folklore-Stil vortragen.

Spielfreude pur

Das ist im Grunde weder originell noch neu: Peter Hofmann hat vor 23 Jahren mit seinen „Rock Classics” vorgemacht, wie es geht, und Bands wie die ostbelgische Mädchengruppe Scala (Chorgesang) und die Berliner The Boss Hoss (Country) sind mit der Masche auch recht erfolgreich.

Doch Global Kryner machen mehr als Hits ohne Schlagzeug, dafür mit Akkordeon nachzuspielen. Das Stadium der Parodie hat die Band längst weit hinter sich gelassen, heuer berauscht sie durch ihre hervorragenden Live-Qualitäten. Die 22-jährige Sängerin Sabine Stieger singt viele Popsternchen locker-lächelnd an die Wand und zaubert bei Sam Browns „Stop” oder dem Beatles-Hits „Hey Jude” dem Publikum Gänsehaut auf die Arme. Und Zeit für einen kleinen Flirt ist auch immer noch.

Die Band steht ihr in nichts nach: Spielfreude pur leben die Vollblutmusiker in vielen, vielen Soli lustvoll aus und werden von 500 begeisterten Zuschauern mit rauschendem Beifall dafür belohnt. 22 Stücke und fast zwei Stunden lang beweisen Global Kryner, dass sie mit „Y así” zu Recht Österreich bei dem Eurovision Song Contest vertreten durften - und zu Unrecht das Finale verpasst hatten. „Man hatte uns gesagt, es sei in Kiew ein Wettbewerb, aber es war dann doch nur eine Tombola”, augenzwinkerte Spörk.

Wenn das Konzert auf Burg Wilhelmstein auch eine Verlosung war, dann mit vielen Hauptgewinnen: „Somewhere over the rainbow”, „The eye of the tiger”, Madonnas „Like a virgin”, „Sexbomb”, „Shut up” von den Black Eyed Peas: Alles klang erstklassig im Stile der „musica alpina”. Ein Höhepunkt: Bassposaunist Sebastian Fuchsberger kehrt den Heldentenor heraus und schmettert Lehars „Dein ist mein ganzes Herz” in feiner Verbindung mit dem Holzhacker-Buam-Takt.

Bei „Something stupid” steht das Publikum komplett, jede Verschnaufpause der Band singt es jetzt mit der „Hey Jude”-Melodie zu, bis die sechs um 22.20 Uhr unter donnerndem Applaus von der Bühne abtreten. Übrigens: Das besagte Ländermatch hatte einen eindeutigen Sieger: Österreich!

Mehr von Aachener Zeitung