Aachen: Welch ein fulminanter Saisonabschluss der Accordate!

Aachen : Welch ein fulminanter Saisonabschluss der Accordate!

Mit dem gemeinsamen Auftritt der beiden Streichquartette Quatuor Modigliani und Armida Quartett hat die Kammermusikreihe Accordate im Krönungssaal des Aachener Rathauses einen finalen Höhepunkt erlebt.

Die Kombination des französischen Quatuor Modigliani mit dem deutschen Armida Quartett erlaubte eine Programmgestaltung, die aufgrund ihrer personellen Anforderungen ansonsten eher auf Festivals zu hören ist als im normalen Konzertbetrieb.

Drei Werke von großem künstlerischen Gewicht bescherten einen langen, nicht zuletzt wegen der extremen Temperaturen schweißtreibenden Abend, der am Ende geradezu eine Explosion der Begeisterung auslöste. Das Konzert wurde eröffnet mit dem Streichquintett Nr. 4 g-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, ausgeführt vom Quatuor Modigliani mit Amaury Coeytaux und Loic Rio, Violine, Laurent Marfaing, Viola, und François Kieffer, Violoncello, ergänzt um die Bratscherin Teresa Schwamm vom Armida Quartett.

Das Publikum erlebte eine wunderbar gelöste, feinnervige, sorgfältig phrasierte, klanglich genauestens ausbalancierte Wiedergabe dieses für Mozart außergewöhnlich dramatischen und bisweilen schroffen Werkes. Vor allem im bewegenden langsamen Satz setzte der Primarius tonliche Glanzlichter.

Die Besetzungs-Basis für das Sextett Nr. 1 B-Dur von Johannes Brahms stellte das Armida Quartett mit Martin Funda und Johanna Staemmler, Violine, Teresa Schwamm, Viola, Julian Steckel, Violoncello, Letzterer kurzfristig eingesprungen für den etatmäßigen Peter-Philipp Staemmler.

Die sechs Musiker spielten dieses trotz seiner dunkel timbrierten Klangfärbung mit je zwei Bratschen und Celli durchgängig heitere, Folkloristisches streifende Werk des noch jungen Komponisten mit intensiver, aber dennoch höchst differenzierter Tongebung. Die Klangbalance litt ein wenig unter der durchgängigen tonlichen Zurückhaltung von Primarius Funda und der Dominanz des prominenten Julius Steckel, der sich ansonsten nahtlos einfügte.

Zum Höhepunkt des Abends geriet die Wiedergabe von Felix Mendelssohn-Bartholdys Oktett Es-Dur, jener unbegreiflichen Genietat des erst 16-jährigen Komponisten. Die beiden kombinierten jungen Streichquartette brachten den jugendlichen Überschwang dieser Musik, die Feenwelt des Scherzos und das Brio des Finales mit einer derart übersprudelnden Vitalität, einer klanglichen Feinabstimmung mit wunderbaren Pianissimo-Wirkungen, einer atemberaubenden Präzision des Zusammenspiels und einer geradezu elektrisierenden Impulsivität zu Gehör, dass man das nur noch mit angehaltenem Atem miterleben konnte.

Im Finale spielten sich die acht jungen Musiker in einen wahren Rausch. Welch ein fulminanter Saisonabschluss!

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