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Aachen: „Weit über das Format eines Stadttheaters”

Aachen : „Weit über das Format eines Stadttheaters”

Zum Saisonbeginn des Musiktheaters wird es im Theater Aachen wieder dramatisch.

Mit Puccinis „Tosca” hat am Samstag, 4. Oktober, um 19.30 Uhr erneut eine italienische Oper Premiere, nachdem Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch bereits in der vergangenen Spielzeit mit „La Traviata” aufwartete.

In Puccinis Werk geht es um die immer wieder aktuelle Beziehung von Politik, Macht und Kunst.

Leidenschaft, Eifersucht, Intrigen und Tod sind garantiert. Die Regie hat Schauspieldirektor Michael Helle übernommen. Es ist damit bereits seine dritte Opern-Inszenierung.

Die Kombination - Schauspielspezialist als Regisseur einer Oper - sei in diesem Fall nicht besonders weit hergeholt: „In Tosca gibt es eine psychisch genaue Handlungs- und Figurenführung. Ich versuche, die Figuren widersprüchlich zu machen”, sagt Helle.

Mehr verrät er über sein Konzept nicht und bittet gleichzeitig das Publikum um etwas Geduld: „Es erschließt sich erst am Ende des dritten Aktes.”

Aktuelle Parallelen zu Berlusconi

Helle sieht in der Geschichte um die beiden völlig unpolitisch denkenden Künstler Tosca und Cavaradossi und den sadistischen Polizeichef Scarpia sehr aktuelle Parallelen: „Das ist nahe an Berlusconi dran, der sich seine Gesetze nach seinen Bedürfnissen schafft und die Kunst zwingt, sich auf eine Seite zu schlagen.”

Auf die aktuelle Aachener Diskussion um Mittelkürzungen für das Theater ziele das jedoch nicht direkt ab: „Unser Palazzo ist nicht das Sprechzimmer von Oberbürgermeister Linden.”

Für das Bühnenbild zeichnet Hartmut Schörghofer verantwortlich. Der aus Salzburg stammende Bühnenbildner gestaltete in der vergangenen Spielzeit das Bühnenbild für „Madame Butterfly” an der Dresdner Semperoper. In Aachen war er bisher zwei Mal tätig.

Für die Aachener Tosca entwickelte Schörghofer drei Räume, bei dem es besonders im zweiten viel zu gucken geben wird: Der Maler Cavaradossi arbeitet an einer Auftragsarbeit - riesige Wandmalereien bedecken die Fronten. „Ein riesiger Aktenberg symbolisiert den Missbrauch der Kunst durch die Politik.”

Mit eigenen Kräften, aber auch mit Gästen

Gesanglich können sich die Aachener auf Kräfte aus dem eigenen Haus und ebenso auf Gäste freuen: „Über Lionel Lhote wird man wohl bald sagen: In Aachen hat er seinen ersten Scarpia gesungen”, glaubt Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch, dass sich das Theater Aachen diesen Tenor wohl bald nicht mehr leisten könne.

„Er ist eine Erscheinung, ein Ereignis.” Die beiden Ensemble-Mitglieder Lisa Graf (Tosca) und Michael Ende (Cavaradossi) hätten ebenfalls eine hervorragende Entwicklung genommen.

Bosch wagt bereits ein Urteil: „Das geht weit über das Format eines Stadttheaters hinaus.” Die Premiere ist mit Lisa Graf (Tosca), Hector Sandoval (Cavaradossi), Lionel Lhote (Scarpia), Jaroslaw Sielicki, Johannes Piorek, Andreas Joost, Richard Meijer und Manfred Reiner besetzt.

Am 7. November singen Marcela de Loa, Michael Ende, Ian Vayne, Cesare Kim, Claudius Muth, Hans Schaapkens, Johannes Piorek und Laszlo Komonyi.