Aachen: Weihnachtskonzert der Aachener Sinfoniker: Luxus, Charme und eine gerissene Saite

Aachen: Weihnachtskonzert der Aachener Sinfoniker: Luxus, Charme und eine gerissene Saite

Es war alles etwas anders als in den vergangenen Jahren. Das Programm des traditionellen Weihnachtskonzerts der Aachener Sinfoniker wirkte diesmal nicht willkürlich zusammengewürfelt, sondern rankte sich um ein strukturiertes Thema.

Während man in der Vergangenheit bisweilen allzu lockeren Moderatoren das Mikrofon überließ, spielte jetzt die Musik die erste Geige, während sich der Schauspieler Günther Maria Halmer in seiner Erzählerrolle dezent zurückhielt. Und nicht zuletzt stand das Konzert unter dem Zeichen eines Probedirigats des englischen GMD-Kandidaten Christopher Ward.

Die Musik spielte die erste Geige: Der prominente Schauspieler Günther Maria Halmer (rechts) hielt sich in der Erzählerrolle dezent zurück. Am Pult des Aachener Sinfonieorchesters konnte der englische GMD-Kandidat Christopher Ward Punkte sammeln. Foto: Andreas Schmitter

Leichtfüßig und recht präzise

Ward stellte Ausschnitte aus Tschaikowskys Ballettmusik zum „Nussknacker“ in den Mittelpunkt und band die Nummern in eine von ihm ausgewählte schlichte Erzählung der Balletthandlung von Ogden Nash ein, die Halmer mit markanter Stimme rezitierte. Kurze Textbausteine, für die das Engagement des prominenten Schauspielers geradezu luxuriös wirkte.

Ward beschränkte sich nicht auf die besonders populären Stücke des Balletts, sondern zeichnete mit der Auswahl den dramaturgischen Ablauf von der anfänglichen Weihnachtsfeier bis zum glanzvollen Pas de deux des Finales nach. Ein Konzert für zwei Hörner des Klassikers Antonio Rosetti und die Ouvertüre zu Leonard Bernsteins Oper „Candide“ wären nicht nötig gewesen, ließen sich aber einigermaßen sinnvoll einpassen. Dass eine Jazz-Version der Nussknacker-Suite von Duke Ellington und Billy Strayhorn als Zugabe gereicht wurde, ließ erkennen, dass sich Ward eigenwilligen programmatischen Akzenten aufgeschlossen zeigt.

Zumal das Aachener Sinfonieorchester, und mit besonders guter Laune die Blechbläser, die nicht alltägliche Aufgabe mit großer Spielfreude in Angriff nahmen. Auch wenn Tschaikowsky in der Maxi-Big-Band-Version eines großen Sinfonieorchesters schwerfälliger klingt als in kleineren Formationen und auch im Original.

Und die Originalklänge bildeten schließlich die Messlatte für die Vorstellung Wards. Im „Nussknacker“ experimentiert Tschaikowsky so originell und bizarr wie in kaum einem anderen seiner Werke. Damit ist es vor allem geeignet, den Klangsinn eines Dirigenten zu testen. Die leichtfüßig, im Detail recht präzise ausgeführte „Ouverture miniature“ ließ bereits erahnen, dass Ward genaue Vorstellungen von den gewünschten Klangergebnissen hat. Ein Eindruck, der sich im Verlauf des Abends erhärtete, wobei das Spielniveau des Aachener Orchesters auch grenzwertig rasche Tempi erlaubte.

Ein Problem: die Akustik

Wenn das gesamte Orchester zum Fortissimo ansetzte, blieb freilich Wards Unerfahrenheit mit den akustischen Gegebenheiten des Eurogresse_SSRq unüberhörbar. Er strebt einen effektvollen, voluminösen Gesamtklang an, der in der Kölner Philharmonie glanzvoll wirken dürfte, im Eurogress jedoch nur einen diffusen Klangbrei mit der bekannten Unausgewogenheit zwischen Bläsern und Streichern hören ließ. Auch Marcus Bosch und Kazem Abdullah brauchten einige Zeit, um dieses Problem in den Griff zu kriegen. Und selbst ihnen gelang das nicht mit jedem Werk.

Antonio Rosettis Konzert für zwei Hörner und Orchester in Es-Dur nahm sich in der Umgebung des „Nussknackers“ zwar etwas exotisch aus, gab dem Dirigenten doch Gelegenheit, sich als flexibler Begleiter zu empfehlen. Und die versierten Hornisten Robin van Gemert und Marcel Sobol durften sich über dankbare Aufgaben freuen.

So gut der „Nussknacker“ beim Publikum auch angekommen ist: Für eine genauere Einschätzung des Dirigenten fehlte ein größer dimensioniertes Werk, an dem sich der Umgang mit ausgedehnten formalen Abläufen zeigen ließe. In diesem Punkt war Ido Arads Probedirigat mit der „Pastorale“ von Beethoven aussagekräftiger.

Christopher Ward gelang es, mit dem charmanten Programm das Publikum zu begeistern. Eine gerissene Harfen-Saite sorgte für eine kleine Zwangspause, die Ward nutzte, sich in gutem Deutsch sympathisch an das Publikum zu wenden. Die Feuertaufe im Umgang mit dem Publikum hat Ward offenbar bestanden.

Allerdings bot das Weihnachtskonzert insgesamt nur einen beschränkten Einblick in die Fähigkeiten eines Dirigenten.