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Aachen: Weicher Wohllaut und eine bombastische Blechlawine

Aachen : Weicher Wohllaut und eine bombastische Blechlawine

Beethovens „Pastorale” und Richard Strauss süß tönende Kommentare zu Nietzsches damaligem Kultbuch „Also sprach Zarathustra” mit der werbewirksamen und filmerprobten Einleitungsfanfare: Zwei populäre Werke, die das Motto des 5. Sinfoniekonzerts im ausverkauften Eurogress, „Die Sonne geht auf”, vollauf rechtfertigen.

Bevor der scheidende Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch Ende April seinen Beethoven-Zyklus abschließt, füllte er jetzt mit der 6. Sinfonie, der „Pastorale”, eine große Lücke. Hetzte Bosch zum Jahreswechsel in rekordverdächtigen Tempi durch die Neunte, schlug er in der „Pastorale” eine wesentlich gemächlichere Gangart an. Nicht nur die idyllische „Szene am Bach” und der finale „Hirtengesang” wirkten schon fast zu behäbig, um das zeitgleich mit der Fünften entstandene Werk als „Revolutions”-Sinfonie, die sie ist, begreifen zu können.

Bosch phrasierte mit gewohnter Sorgfalt, aber sehr weich, und strebte zugleich einen samtigen Orchesterklang an mit einer recht ausgewogenen Balance zwischen Streichern und Bläsern sowie etlichen delikaten Bläser-Soli. Wohllaut rundum, dem freilich der latente Pulsschlag von Beethovens visionärem Freiheitsdrang fehlte.

Strauss ebenso riesig besetzte wie klanglich bombastisch aufdrehende Tondichtung „Also sprach Zarathustra” kann im Eurogress zu keinem befriedigenden Gesamtergebnis führen. Boschs Gespür für die klanglichen Finessen und den dynamischen Vorwärtsdrang der Musik waren zwar allenthalben zu spüren, aber bereits im Mezzoforte geriet der Klang mit jedem Einsatz des Blechs aus den Fugen. Von klanglicher Ausgewogenheit kann unter solchen Umständen nicht die Rede sein.

Da konnten sich die Streicher noch so vehement in die Saiten stemmen, große Teile des Werks wurden vom Blech überrollt. Die mangelnde Transparenz erschwerte auch das Aufeinanderhören der Musiker, so dass sich nicht nur in den besonders heiklen Schlusstakten ungewohnte Intonationstrübungen einstellten. Dass die kräftig verstärkte Ersatzorgel ein volles Instrument nicht ersetzen kann, störte in diesem Kontext noch am wenigsten.

Es ist verständlich, dass Bosch seinem Publikum diesen Knüller noch in seiner Abschieds-Saison mit auf den Weg geben wollte. Im Eurogress kommt die hehre Absicht jedoch einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Dabei steht Bosch mit Mahlers „Sinfonie der Tausend” zum endgültigen Abschied seines verdienstvollen Aachener Wirkens eine noch schwierigere Aufgabe bevor. Viel Glück dabei!

Das Publikum reagierte äußerst dankbar und mit lang anhaltendem Beifall auf die Begegnung mit den beiden Repertoire-Hits.