1. Kultur

Aachen: Wehe, wenn sie plötzlich eingesperrt sind

Aachen : Wehe, wenn sie plötzlich eingesperrt sind

Das kann ja heiter werden: Acht Frauen, eine verschneite Villa, jede Menge auf kleiner Flamme schwelende Konflikte - und nun ein Mord.

Der Hausherr, zu dem jede der Frauen eine andere Beziehung hat, liegt gemeuchelt in seinem Bett.

Wer war das? Niemand kann fort, weder Auto noch Telefon funktionieren, das Eisentor ist versperrt, und dann strecken auch noch die sonst so wacker wachenden Hundchen alle Viere von sich...

Lustig-bissiger Krimi

Mit dem musikalisch gewürzten Schauspiel „8 Frauen” von Robert Thomas, uraufgeführt 1961 in Paris und als Film (Regie Francois Ozon, 2002) ein großer Erfolg, bietet das Grenzlandtheater seinem Publikum eine lustig-bissige Krimikomödie, die jedoch deutlich zu lang (zweieinhalb Stunden) geraten ist, was den Esprit nicht fördert.

Aber wenn jeder der Damen ein komplett mit allen Strophen ausgesungener Song auf den Leib geschneidert ist (musikalische Leitung Hans Christian Petzoldt), dann kann das eben dauern.

Regisseur Ulf Dietrich versteht es dennoch, die aus allen menschlichen wie krimitechnischen Klischees genährte Handlung zu einer meist spritzigen Folge von unterhaltenden Szenen zu verdichten, die im stilvollen, leicht angestaubten Landhaus-Milieu samt polierter Treppe in einen imaginären ersten Stock durch Bühnenbildner Charles Copenhaver das perfekte Ambiente finden.

Da gibt es die lebens- und geldhungrige Gattin Gaby, bei der Ingeborg Meyer das Bröckeln der glatt polierten, blitzenden Fassade mit erprobter Spieltechnik umsetzt, die vorwitzige Göre Catherine, der Johanna Bolten Pep und Teenie-Stimme leiht.

Das überdrehte Töchterchen Nr. 2 ist Susanne (Stephanie von Borcke). Daniela Hüthmair spielt wunderbar unterkühlt das Dienstmädchen Louise, unter deren geheimnisvoller Eisschicht ein erotischer Vulkan blubbert.

Als rundlich-liebenswürdige Haushälterin Madame Chanel ist Anne Welte hingebungsvoll im Einsatz, und Pierrette, der „Frau mit Vergangenheit”, schenkt Thea Schnering melancholischen Biss. Regine Vergeen schließlich ist eine überzeugende „Mamy”, hinter deren harmloser Omi-Fassade eine Menge Raffinesse lauert.

Alle sind sie gut, aber ohne Sylvia Wintergrün als arme hypochondrische Verwandte Augustine, die niemals Mann und Vermögen erringen konnte, würde der Inszenierung ein wichtiges Element fehlen. Sie versteht es, aus dieser Rolle in immer neuen Varianten komödiantisches Kapital zu schlagen.

Ein tragisch-komisches Talent mit ausgeprägter Mimik und grandioser Körpersprache, wie man es sich bei so einer abstrusen Geschichte nur wünschen kann.

Gleichzeitig schafft sie es, mit ihrem Chanson „Was ist das Ziel?” für einen Moment Ruhe ins Spiel zu bringen und die menschliche Tragödie offenzulegen, die dieser Charakter bei allem Witz in sich trägt,

Regisseur Ulf Dietrich gelingt es, die einzelnen Varianten weiblicher Nervtöterei genau zu skizzieren und sie dann systematisch zu einem giftigen Cocktail zu mixen.

Heike M. Schmidt unterstreicht den jeweiligen Frauen-Typ mit leicht überzeichneter Garderobe. Das ist geschickt. Bleibt die Frage, ob die eingebauten Songs wirklich alle nötig (und schön) sind. Zumindest auf das flehende „Merci, Cherie” - frei nach Udo Jürgens - hätte man verzichten können.

Die „Lösung des Falls” wird nicht verraten, ist aber wirr. Das macht nichts. Insgesamt lockere Unterhaltung mit Witz. Das Publikum applaudiert begeistert.