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Aachen: WDR darf Contergan-Film zeigen

Aachen : WDR darf Contergan-Film zeigen

Der WDR-Fernsehfilm über die Contergan-Affäre kann gezeigt werden. Das Landgericht Hamburg hob am Dienstag die beiden letzten einstweiligen Verfügungen gegen „Eine einzige Tablette” auf, die das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal gegen den WDR und die Produktionsfirma Zeitsprung erwirkt hatte.

Das Gericht habe in beiden Fällen entschieden, dass keine massive Verletzung von Persönlichkeitsrechten vorliegt, teilte eine Sprecherin mit. „Damit kann der Film gesendet werden”, sagte Mirek Nitsch, Justiziar von Zeitsprung. Die ARD-Zuschauer sollen den Film so schnell wie möglich sehen: „Ein Sendetermin wird bald gefunden sein”, erklärte WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke.

Grünenthal-Geschäftsführer Sebastian Wirtz bedauerte die Entscheidung: „Der Zuschauer wird nicht unterscheiden können, was Wahrheit ist und was Fiktion. Das bedauern wir sehr.” Zeitsprung-Geschäftsführer Michael Souvignier hofft demgegenüber, „dass Grünenthal die Niederlage nun endlich anerkennt”.

Die Zuschauer könnten sich jetzt selbst davon überzeugen, „mit welcher Sorgfalt wir die Katastrophe des Contergan-Skandals filmisch aufgearbeitet haben”. Grünenthal hatte Ende der 50er Jahre das Schlafmittel Contergan auf den Markt gebracht, das bei Schwangeren zu schweren Missbildungen ihrer ungeborenen Kinder führte.

Bereits im April hatte das Oberlandesgericht 31 von 32 einstweiligen Verfügungen gegen den Film abgelehnt. Lediglich zwei Szenen waren beanstandet worden. „Uns liegen keine Informationen vor, wie sich der WDR in dieser Hinsicht genau verhalten wird. Wir warten jetzt erst einmal ab”, sagte Grünenthal-Sprecherin Annette Fusenig.

Auf Anfrage betonte WDR-Sprecherin Annette Metzinger, dass die Produktionsfirma an den Auflagen des OLG arbeite, um den Film sendefähig zu machen. „Es geht um konkrete Handlungen eines von Grünenthal engagierten Privatdetektivs”, betonte Zeitsprung-Justiziar Nitsch. Dass es den Privatdetektiv gegeben habe und er auf missliebige Ärzte angesetzt worden sei, sei aber historisch belegt. Die beanstandeten Szenen werde man „mühelos” ändern, dann sei der Film freigegeben.

Die Klagen müssen nun noch in der Hauptsache verhandelt werden. Anders als im ersten Verfahren will das Landgericht dabei wie das OLG den Film als Grundlage für seine Entscheidung nutzen - und nicht das Drehbuch. Alles andere wäre auch merkwürdig: Schließlich ist er im Fernsehen dann vermutlich längst gelaufen.