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Was Hautfarbe mit Knochen zu tun hat

Was Hautfarbe mit Knochen zu tun hat

Aachen (an-o) - Schwarze und weiße Haut sind Anpassungen an viel oder wenig Sonne, klar. Aber es muss auch genau die richtige Menge an Strahlen durchkommen. Ein lebenswichtiger Balanceakt des Stoffwechsels.

Als der Mensch noch ziemlich nah am Affen, aber doch schon auf zwei Beinen, durch die Savanne lief, so vor anderthalb Millionen Jahren, kam er schön ins Schwitzen. Er musste nämlich jeden Tag ziemlich viel laufen, weil er noch kein ordentliches Zuhause und darin noch keine Tiefkühltruhe hatte. Viel zu schwitzen war schon sehr klug, weil das den Körper und das Blut kühlt. Deswegen legte sich der Frühmensch auch immer mehr Schweißdrüsen zu. Damit aber der Schweiß auch schnell verdunstete und somit die Kühlung funktionierte, musste er nun auf sein Fell verzichten. Jetzt sah er zwar nicht mehr wie ein Affe aus, die übrigens bis heute unter ihrer Behaarung helle Haut tragen.

Schutz vor Hautkrebs

Doch dafür hatte der Mensch ein Problem mehr, das ihm bis heute zu schaffen macht: die Sonne brennt ihm auf die nackte Haut. Zuviel davon kann nämlich zu Hautkrebs führen. Nicht zufällig sind hellhäutige Menschen mitteleuropäischen Ursprungs, die es nach Australien trieb, besonders anfällig dafür. Umgekehrt liegt es nahe anzunehmen, dass Schwarzafrikaner eben deshalb eine dunkle Haut haben. Sicher ist aber nur, dass helle und dunkle Haut die Folge von Anpassung an viel oder wenig Sonne ist.

Evolutionsbiologen suchen inzwischen nach einer anderen Erklärung für die Bedeutung der unterschiedlichen Pigmentierung. Wie die amerikanischen Wissenschaftler Nina Jablonski und George Chaplin in der aktuellen Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" schreiben, mache ein Krebsschutz der Haut entwicklungsgeschichtlich keinen Sinn. Hautkrebs erscheint in der Regel erst in einem Alter, in dem man bereits gezeugt hat. Anpassungen leistet sich die Evolution aber nur, wenn sie auf die Fortpflanzung wirken.

Sonne macht Vitamin D

Über die Fortpflanzungs- These stieß man auf die Bedeutung der lebenswichtigen Folsäure. Ein Mangel daran in der Schwangerschaft führt häufig zu Missbildungen; zu wenig Folsäure kann auch unfruchtbar machen. Hinzu kommt, dass ultraviolette Strahlung die Folsäurereserven im Körper vernichtet. Da dunkle Haut vor UV-Strahlung weitgehend geschützt ist, zogen Jablonski und Chaplin den Schluss, dass die Evolution die dunkle Haut erfand, um die Folsäure zu erhalten.

Andererseits muss aber noch genug UV-Strahlung durchkommen, um einen anderen lebenswichtigen Prozess in Gang zu setzen: die Synthese von Vitamin D, das vor allem für den Knochenaufbau sorgt. In unseren nördlichen Gefilden reicht die weit geringere UV-Strahlung für die Vitamin-D-Bildung aus (im Sommer jedenfalls). Deshalb aber "leiden dunkel pigmentierte Menschen im Norden auffallend häufig an Rachitis oder anderen hier schon fast vergessenen Vitamin-Mangelerscheinungen".

Zu dunkle Eskimos

Nicht alle Phänomene des komplizierten Balanceakts zwischen Sonne, Hautfarbe und Stoffwechsel lassen sich mit solchen Befunden erklären. Der Teint von Eskimos zum Beispiel ist nach diesem Modell viel zu dunkel. Doch für sie "bestand offenbar kein sehr großer Zwang, hellhäutiger zu werden". Ihre traditionelle Meereskost nämlich enthält überreichlich Vitamin D. Außerdem müssen sie ja auch nicht so viel schwitzen...