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Aachen: Was Baustellen an der Autobahn teuer macht

Aachen : Was Baustellen an der Autobahn teuer macht

„Nein, mit Toll Collect und der Maut hat das, was wir derzeit auf der A44 zwischen Alsdorf und Aachener Kreuz machen, gar nichts zu tun”, versichert Jürgen Hermanns von der Niederlassung Köln der NRW-Straßenbauer. Die Anprallsockel für die drei ohnehin sanierungsbedürftigen Schilderbrücken im Mittelstreifen seien angebracht worden, um schon die künftige EU-Norm 1317 für mehr Sicherheit der Autofahrer und der Bauwerke zu erfüllen.

„Hätten wir auf die Rechtskraft für Deutschland gewartet, wäre dann zum zweiten Mal die mehrere tausend Euro teure Verkehrsführung fällig.”

Zum technischen Hintergrund: Wo der Mittelstreifen die normale Breite von vier Metern hat, bleibt es beim Aufprallschutz durch die Leitplanken aus Stahl. Selbst wenn sie sich stark deformieren, wird das Auto rechtzeitig vor dem Kragarm gestoppt.

Wo der Mittelstreifen aber schmaler ist, könnte das Fahrzeug gegen das mächtige Betonfundament des Schilder-Kragarms oder den riesigen Kragarm selber prallen. Im schlimmsten Falle könne der abknicken und auf das Fahrzeug stürzen - mit unabsehbaren Folgen für die Insassen. Durch den Anprallsockel, der in Form eines Bootes den Pfosten und dessen Fundament umgibt, werde dies auch an Engstellen verhindert. Und nur so genüge man der Verkehrssicherungspflicht.

30 Gefahrenstellen

30 solcher Gefahrenstellen sind auf den 600 Kilometern Autobahn der Niederlassung Köln sukzessive im Verband mit anderen Arbeiten zu beseitigen. „Dann wird es auch nicht jedes Mal 50.000 Euro wie jetzt kosten”, erläutert Hermanns.

Die für den Laien trotzdem exorbitant hoch erscheinenden Kosten haben ihren Grund. „Bevor wir irgend etwas bauen, müssen wir zum Beispiel klären, wo welche Leitungen im Untergrund verlaufen. Da gibtÔs zum Beispiel Leitungen fürs Telefon, fürs Fernsehen, für die Notrufsäulen oder für den Stauwarndienst.

Da die Lage-Dokumentationen manchmal lückenhaft oder ungenau sind, müssen wir mit Suchschlitzen einen exakten Lageplan erstellen.” So soll verhindert werden, dass die von Telekom (Telefon), Ish (Kabelfernsehen) oder Motorola (Handy-Staudienst) gemieteten Kabel beschädigt werden und damit die Dienste ausfallen.

250.000 Euro für eine Schilderbrücke

Diese Zeit raubenden Vorbereitungen, die Absicherung der Baustelle, das Ändern der Bankette und vieles mehr summieren sich mit den Materialkosten auf bis zu 250.000 Euro für eine Schilderbrücke. Und die 1200 Stück im Bereich der Niederlassung Köln werden alle drei Monate per Fernglas auf Schäden geprüft, jedes Jahr einmal genau untersucht und alle fünf Jahre einer Hauptprüfung unterzogen. Zur Sicherheit.