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Warum reizt Verona mit dem "Blubb"?

Warum reizt Verona mit dem "Blubb"?

Bonn (an-o/dpa) - Warum setzt die Wirtschaft auf Verona Feldbusch, wenn für Spinat geworben wird? Und warum reizt Thomas Gottschalk zum Kauf von Gummibärchen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Hirnforscher am Bonner Universitäts-Klinikum.

Die Werbung sei dabei aber keineswegs das primäre Forschungsobjekt, betont Christian Elger, Direktor der Klinik für Epileptologie. Vielmehr gehe es darum, über den Schritt in die Industrie neue Mittel für weitere Forschungen einzutreiben.

Zu diesem Zweck hatte sich bereits vor zwei Jahren eine Gruppe Neurowissenschaftler zusammengeschlossen, um in Deutschland eine Dekade des menschlichen Gehirns (2000-2010) zu starten. Leider habe diese Initiative bisher außer einem "Strohfeuer" keine Resonanz erfahren, berichtet Elger, der Sprecher der Initiative ist.

Der Weg in die Werbeforschung lag nahe. Erst seit wenigen Jahren gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe eines funktionellen Kernspintomographen dem menschlichem Gehirn "beim Denken zuzusehen." Wissenschaftler erkennen zunehmend, welche Funktionen des Gehirns das tägliche Leben und Verhalten bestimmen und können somit auch die Reaktionen einer Versuchsperson auf verschiedene Werbefilme miteinander vergleichen. So stellten sie fest, dass Gesichter von Prominenten eher Erinnerungen hervorrufen, als die unbekannter Personen.

Elger beschreibt, dass "manche Werbefilme eine massive Erregung emotionaler Strukturen verursachen, während bei anderen praktisch nichts passiert." Mit diesen Erkenntnissen tritt die Forschungsgruppe jetzt an die Werbeindustrie heran. Erforderlich sei nun eine breitere Studie, die auf Grund fehlender Mittel nur in Kooperation mit der Industrie machbar sei. Die Experimente seien nämlich extrem kostspielig.

Der Hirnforschung komme zugleich eine immer größere Bedeutung zu, betont Elger mit Blick auf die zunehmende Überalterung. Schon heute verursachten Erkrankungen des Gehirns gut die Hälfte aller Gesundheitskosten.