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Niederzier/Leipzig: Warum die Bechsteinfledermaus keine Autobahn mag

Niederzier/Leipzig : Warum die Bechsteinfledermaus keine Autobahn mag

Johann Matthäus Bechstein, ein Bahnbrecher des Naturschutzes, kannte zeitbedingt noch nicht einmal ein Auto. Doch nun wird quasi in seinem Namen vielleicht eine ganze Autobahn verhindert.

Die nach ihm benannten Nachtschwärmer bevölkern nämlich mutmaßlich den Hambacher Forst. Und das würden sie vielleicht nicht mehr tun, wenn die A 4 zwischen Düren und Kerpen dahin verlegt wird.

Die relativ langen und breiten Ohren der Bechsteinfledermaus haben einen spitzen Ohrdeckel, wie er für alle Arten der Mausohren typisch ist. Die Tiere haben eine Spannweite zwischen 25 und 29 Zentimetern und wiegen zwischen sieben und 14 Gramm.

Man muss diese Säugetierchen schon ein bisschen genauer beschreiben. Zu Gesicht bekommt man sie nämlich kaum. „Sie sind unheimlich schwer nachzuweisen, weil sie so sehr selten und sehr heimlich sind. Eine absolute zoologische Rarität.” Das sagt Dirk Jansen, der ist Geschäftsleiter des BUND in Nordrhein-Westfalen. Und dieser Bund für Umwelt und Naturschutz hat nun die Bechsteinfledermaus im Hambacher Forst entdeckt. Nicht wirklich, aber sozusagen als Verhinderungsobjekt.

Eine verlegte A 4 würde nämlich zur „Todesfalle für die Bechsteinfledermaus”. Das bescheinigt dem BUND ein Gutachten der Universität Erlangen-Nürnberg. Und damit begründen die Naturschützer nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ihre Klage gegen die Autobahnverlegung.

Der Hambacher Forst, soweit es ihn noch gibt, ist ein Wald voller Hainbuchen und Stileichen, mit vielen Baumhöhlen darin. Einfach ideal für Bechsteinfledermäuse. Tatsächlich wisse man, erzählt Jansen, dass es eine Kolonie dort gibt, und eine weitere bei Nörvenich. Und da diese Art als stark gefährdet gilt und daher unter Naturschutz steht, darf man ihr keine Autobahn in den Flugweg bauen, sagt der BUND. Die RWE AG, für deren Tagebau die ganze Verlegung schließlich nötig ist, hat das Problem durchaus erkannt, nachdem ihr gleich bei der ersten Stichprobe einige Fledermäuse ins Netz gingen.

Ein ziemlicher, wie man hört millionenschwerer Aufwand ist daher zu ihrer Rettung und Erhaltung in der Straßenplanung vorgesehen. Überquerungshilfen gehören dazu und Leiteinrichtungen für die Ultraschall-Orientierung der keine fünf Zentimeter langen Tierchen.

Das reicht dem BUND aber nicht. „Angesichts der einzigartigen Bedeutung der Bechsteinfledermauskolonie im Gebiet Steinheide/Nörvenicher Wald führt die Kombination der Beeinträchtigungen durch die Verlegung der A 4... zu einem deutlich erhöhten Aussterberisiko.”

Da die Bechsteinfledermaus aber möglicherweise doch zu schwach ist, eine ganze Autobahn aufzuhalten - die Kleine Hufeisennase in Dresden und der Hamster im Aachener Grenzgebiet mussten ja am Ende doch klein beigeben - hat der BUND ein zweites Gutachten und eine zweite Begründung eingereicht. Für die Verlegung der Autobahn gebe es nämlich keine straßenrechtliche Notwendigkeit, sie diene allein dem Abbauinteresse der RWE, sei also rechtswidrig.

Am Ende geht es dem BUND, gibt Dirk Jansen zu, nämlich auch gar nicht in erster Linie um die Bechsteinfledermaus. „Entscheidend sind für uns die Menschen, die Menschen in Buir und Niederzier, für die wir einen Schutz vor unzumutbaren Belastungen erreichen wollen. Dazu nutzen wir die Bechsteinfledermaus.”