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Rurberg: Wanderung zum Amazonas der Eifel: Mit Nationalpark-Rangern unterwegs

Rurberg : Wanderung zum Amazonas der Eifel: Mit Nationalpark-Rangern unterwegs

Wald, Wasser und Wildnis zeichnen in Deutschlands Westen den Nationalpark Eifel aus. Seit drei Jahren besteht das Schutzgebiet an der belgischen Grenze, und seit Anfang 2006 ist auch der ehemalige Truppenübungsplatz „Camp Vogelsang” mit der „Ordensburg Vogelsang” inmitten des Parks zu erwandern.

Mit Rangern, Waldführern und Referenten lernen Besucher die raue Landschaft kennen.

„Seid ihr heute gut drauf und fit?”, fragt Carsten Richter die kleine Wandergruppe, die sich am Nationalpark-Tor Rurberg versammelt hat. „Denn gleich müssen wir bergauf.” Über 150 Meter geht es auf dem steilen Felsenpfad hinauf: kein Zuckerschlecken am Honigberg. Selbst Carsten Richter muss oben erst mal kurz verschnaufen. Doch dann hat er wieder Luft, um den Besuchern Pflanzen und Baumwuchs zu erläutern.

Carsten Richter ist einer der 15 Ranger, die für die Landesforstverwaltung Nordrhein-Westfalen im Nationalpark Eifel täglich auf Tour sind. Die ehemaligen Waldarbeiter wurden zu Geprüften Natur- und Landschaftspflegern ausgebildet, um den Besuchern das Wachsen und den Wandel von Fauna und Flora in einem der jüngsten Nationalparks Deutschlands näherzubringen. „Wir sind die Mittler zwischen Mensch und Natur”, erklärt Richter. Er und seine Kollegen tragen als Erkennungsmerkmal den typischen, breitkrempigen Rangerhut und einheitliche, grüne Outdoor-Bekleidung.

An fünf „Rangertreffpunkten” scharen sie an drei Wochentagen sowie samstags und sonntags interessierte Besucher um sich, wandern mit ihnen durch den Nationalpark und informieren dabei über ihre Arbeit in der neuen Eifeler Wildnis. Die jeweilige Route wird mit den Gästen spontan festgelegt. Darüber hinaus sind die Männer ganzjährig freitags und sonntags auf drei festgelegten „Rangertouren” mit Besuchern unterwegs. Für geübte Wandersleute gibt es die „Klosterroute”, eine anspruchsvolle Strecke über fünf Stunden. Für Kinder und Ältere ist hingegen die „Hirschley-Route” gedacht, die zu Baumriesen und alten Köhlerplätzen führt. Die Touren sind kostenlos.

Neben den Rangern stehen im Nationalpark mehr als 150 geschulte ehrenamtliche Waldführer bereit, die mit angemeldeten Gruppen Thementouren unternehmen. Nur gut dreieinhalb Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Nationalparks Anfang Januar 2004 ist das Angebot überaus reichhaltig: Es gibt ebenso Wanderungen mit Experten zum Thema Fledermäuse wie mit Wasserbaufachleuten zur Geschichte des Rurstausees und der Urfttalsperre, die wegen ihrer Lage inmitten des Großschutzgebietes auch „Amazonas der Eifel” genannt werden.

Dagegen mangelt es in dem weitläufigen Schutzgebiet noch an einem gut ausgeschilderten Wanderwegenetz, Markierungen verstecken sich so manches Mal hinter Astwerk. In der nächsten Zeit sollen jedoch Wege und Pfade von 240 Kilometer Länge ausgewiesen werden, die den 108 Quadratkilometer großen Park entlang der Grenze zu den belgischen Ardennen erschließen. „Alles im Nationalpark soll für die Besucher erlebbar sein, allerdings nicht an jedem Ort”, sagt Michael Lammertz vom Nationalpark-Forstamt Eifel in Schleiden-Gemünd.

Neben den Wanderpfaden sind auch Rad- und Reitwege vorgesehen, sogar fünf Kilometer Loipe für den Skilanglauf sollen entstehen. Dafür wurden etliche andere Wirtschaftswege in den Buchen- und Fichtenwäldern aufgegeben. Auf dem 500 Meter hohen Kermeter-Höhenrücken wuchern bereits die ersten Pfade unter dichtem Grün zu. „Die Natur wieder Natur sein lassen” heißt das Motto dieser Umgestaltung. Mehr als 460 gefährdete Pflanzen- und Tierarten leben in der Schutzzone, beispielsweise die Gelbe Wildnarzisse und die Graslilie, dazu Schwarzstörche und Wildkatzen, Biber und Eisvögel, Mauereidechsen sowie Rote und Schwarze Milane.

Die kleinen Eifeldörfer rund um den Nationalpark verzeichnen einen deutlichen Besucheranstieg. Zwar kommen die meisten Gäste noch für nur einen Tag. Doch wer einmal zwischen Heimbach und Herhahn, Düttling und Dreiborn gewandert ist, den faszinieren die urwüchsige Landschaft und die Weitblicke über die Stauseen. „Diese Kombination bietet keiner der anderen 13 deutschen Nationalparks”, versichert Alice Gempfer vom Förderverein Nationalpark.

Ideale Zugänge für Gäste sind die Nationalpark-Tore in Rurberg, Heimbach, Gemünd sowie künftig auch in Monschau-Höfen und in Nideggen. An diesen Informationsstellen gibt es Anregungen für den Besuch im Nationalpark und den Urlaub in der Eifelregion.

Herzstück des ersten Nationalparks im Bundesland Nordrhein-Westfalen ist das ehemalige „Camp Vogelsang” auf der kargen Dreiborner Hochfläche zwischen Herhahn und Einruhr. Mehr als 60 Jahre lang war das raue Land mit den charakteristischen Ginsterbüschen, dem „Eifelgold”, streng abgeschirmtes militärisches Sperrgebiet. Ende 2005 verließ die belgische Armee das Panzerübungsgelände.

Damit wurde auch ein bedrückendes Erbe wieder zugänglich - die „Ordensburg Vogelsang” aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Die 100 Hektar große Anlage war eine der Schulungsstätten für die Nazi-Führungselite. Ab 1934 wurden die Bauten am Hangplateau oberhalb der Urfttalsperre errichtet, zwei Jahre später begannen die Kurse für die „Junker”. Heute sind die denkmalgeschützten Bauten der Ordensburg stumme und mahnende Zeugen der dunklen Vergangenheit. Täglich werden für Besucher Rundgänge mit Referenten angeboten, die hier aus gutem Grund nicht die Bezeichnung Führer tragen.