1. Kultur

Aachen: Wagemutiger Nachwuchs setzt Bachs „Goldberg-Variationen” um

Aachen : Wagemutiger Nachwuchs setzt Bachs „Goldberg-Variationen” um

Die Gattung des Streichtrios hat bei weitem nicht jene Popularität erreicht wie andere kammermusikalische Gattungen. Dass der dreistimmige Satz luzider und weniger füllig ist als der vierstimmige, hat dennoch viele bedeutende Komponisten nicht davon abgehalten, gewichtige Beiträge zu dem Genre zu leisten.

Einer dieser Beiträge von Ludwig van Beethoven, sein Trio Nr. 3 G-Dur op. 9, eröffnete das 2. Konzert der Accordate-Reihe im Krönungsaal. Zu Gast war das junge, gleichwohl schon renommierte Trio Echnaton mit Wolfram Brandl, Violine, Sebastian Krunnies, Viola, und Frank-Michael Guthmann, allesamt Mitglieder großer deutscher Sinfonieorchester.

Seit sechs Jahren spielen sie in dieser Besetzung zusammen und sind zu einer Einheit verschmolzen, die spieltechnisch und intonatorisch ihren Aufgaben souverän gewachsen ist und für ihre Interpretationen klangliche Lösungen anbietet, die kompositorische Strukturen erhellen, andererseits aber bisweilen Gefahr laufen, ins Artifizielle abzudriften. Dies war beispielsweise im Adagio der Fall, in dem das Spielen mit wechselnden Klangfarben etwas aufgesetzt wirkte.

Ansonsten war das eine perfekte Wiedergabe, die im Presto-Finale ein Höchstmaß an virtuoser Brillanz erreichte. Johann Sebastian Bachs gewaltiger Klavier-Variationszyklus, die Goldberg-Variationen, in einer Fassung für Streichtrio? Kann das gut gehen? Es ging gut. Die Bearbeitung durch den russischen Geiger Dimitry Sitkovetsky bietet gegenüber der Originalversion eine größere Nachvollziehbarkeit der polyphonen Stimmverläufe.

Die kunstvolle Gesamtanlage mit ihren Kanons, Variationen in Tanzrhythmen ihrer Zeit, die das Thema oft nur von ferne noch nachklingen lassen, verliert in dieser Fassung nichts von ihrer Geschlossenheit. Das Echnaton Trio erhebt mit seiner Wiedergabe wohl keinen Anspruch auf authentische Aufführungspraxis, so wohldosiert das Vibrato auch war.

Das Bestreben war offenkundig, den Vortrag, der durch Verzicht auf manche Wiederholung kluger Weise auf eine knappe Stunde bemessen war, klanglich so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten und auf diese Weise den besonderen Charakter einer jeden Variation herauszuarbeiten. Dass man auch hier über manches Detail streiten konnte, ändert nichts an der insgesamt sehr überzeugenden Interpretation. Danach erübrigte sich jede Zugabe.