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Würselen: „Voodoo-Queen des Flamenco” fasziniert bei ihrer Deutschlandpremiere

Würselen : „Voodoo-Queen des Flamenco” fasziniert bei ihrer Deutschlandpremiere

Man konnte es bereits nach wenigen Minuten im offenen Raum der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein spüren: die enorme Intensität und Begeisterungsfähigkeit dieser 14 Künstler rund um den spanischen Flamenco-Star Maria Serrano und dem ungarischen Cimbalom-Musiker Kálmán Balogh.

Unter dem Titel „Flamenco meets Balkan Gypsy Music” präsentierten sie ihrem Publikum zur Deutschlandpremiere nahezu Unbeschreibliches: Rund zwei Stunden Rhythmus, Temperament und Leidenschaft, vereint durch zwei auf den ersten Blick so unterschiedliche Musik- und Tanzstile, verschmolzen zu einer furiosen teilweise nahtlosen Mix-Choreografie, ohne jeweils ihre stilistische Authentizität und Eigenständigkeit zu verlieren.

Was sich auf den ersten Blick experimentell und gewagt anhört, fußt auf gemeinsamen historischen Wurzeln der Zigeunerkultur, und diese wurden - modern umgesetzt - hör-, seh- und geradezu greifbar. Es war dabei weitaus mehr als eine plakative Aneinanderreihung folkloristischer Schemata. Maria Serrano an der Seite von Javier Sanchez, mit dem sie bereits im letzten Jahr mit der Produktion „FlamenTango” das Publikum in Aachen begeisterte, und die beiden Solisten des Ungarischen Nationalballetts Dolores Castillo und ihr Partner Solti Csaba ließen tänzerisch keine Wünsche offen.

Die Ausdrucksstärke in den teilweise auch in abwechselnden Partner- und Stilkonstellationen skizzierten Bilder ergriffen immer wieder die begeisterten Zuschauer und wurden stetig gesteigert.

Vor allem in ihren Soloparts zeigte sich die ganze Klasse von Serrano. Dieser beeindruckende aber so leichtfüßig anmutende Kraftakt personifizierter Sinnlichkeit im rhythmischen Wechselspiel zwischen schneller Fußtechnik, Ausdruck des ganzen Körpers bis in die Fingerspitzen, getragen von dem tiefdringenden Gesang und mitreißender Perkussion - kurz gesagt: ein grandioses Spektakel, denn die vielzitierte „Voodoo-Queen des Flamenco” verzauberte auch hier wieder einmal.

Und gerade hier war das Zusammenwirken mit dem Cimbalom perfekt gelungen, das wie ein Vibraphon mit Schlegeln gespielt wird, ein echtes Erlebnis traditioneller und zeitgenössischer Elemente, die sich gleichermaßen melodisch wie taktfest äußerten. Dass es mit jedem weiteren Tanzpart immer weniger Zuschauer auf den Plätzen hielt, mündete in der beeindruckenden „unplugged”-Improvisation der langen, mit Ovationen gefeierten Zugabe.

Die Künstler fanden sich in der Bühnenmitte zusammen und boten ein witzig-sympathisches Spektakel, bei dem sich letztlich auch die Musiker zu Tänzern wandelten und die Lust und Leidenschaft der Vollblutkünstler der gesamten Compania Serrano zum Tragen kam.