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Düsseldorf: Von Geburt an vor Gewalt schützen

Düsseldorf : Von Geburt an vor Gewalt schützen

Die junge Frau ist psychisch krank. Sie hat gerade ihr fünftes Kind bekommen, dabei ist sie schon mit den ersten vier überfordert. „Sie leidet unter Stress und verletzt sich selbst”, erfährt Wilfried Kratzsch im Beratungsgespräch von der Mutter.

Um die Kinder vor möglichen Übergriffen zu schützen, hat der Oberarzt im Kinderneurologischen Zentrum in Düsseldorf die Frau ins Präventionsprojekt „Zukunft für Kinder in Düsseldorf” aufgenommen. „In den Medien wird immer wieder von schwersten Misshandlungen und Verwahrlosungen von Kindern berichtet”, sagt der Kinderneurologe Kratzsch. Um Horrorszenarien zu vermeiden, arbeiten für das Düsseldorfer Projekt erstmals Hebammen, Kliniken, Jugendamt und Gesundheitsamt zusammen. Ihr Ziel: Hochrisikofaktoren im Umfeld der Neugeborenen früh erkennen und bekämpfen.

„Extrem junge Mütter, alleinerziehend, Armut, gewalttätige Partner, Drogenabhängigkeit sind einige der typischen Risikofaktoren, die uns sofort aufhorchen und reagieren lassen”, erläutert Kratzsch. Das Projekt „Zukunft für Kinder” greift auf bestehende Ressourcen und Strukturen zurück. „Neben der medizinischen Versorgung kann schon die Suche nach einer neuen Wohnung, die Aufstellung eines Finanzplans oder die Vermittlung einer Tagesbetreuung für die Kinder berufstätiger Eltern eine Lösung sein”, erläutert Kratzsch. Zudem wird die Entwicklung der Kinder genau dokumentiert.