1. Kultur

Aachen: Vom Weggehen und Ankommen

Aachen : Vom Weggehen und Ankommen

Es ist eine ganz besondere „Märchenlandschaft“, mit der die acht Frauen und ein Musiker das Publikum im Space des Aachener Ludwig Forums verzaubern. Sie entfachen fast so etwas wie Magie. Und doch ist auch die harte Wirklichkeit zu sehen: Zäune und Gitter tauchen in den Video-Einspielungen immer wieder auf. Wie schwer sie zu überwinden sind — im eigenen wie im fremden Land —, das klingt immer wieder an, auch in den berührenden Kompositionen von Sasan Azodis Live-Musik.

Wenn die Frauen mit verschiedenen kulturellen Wurzeln sich in ihre grünen Moosmäntel hüllen, in Tierfelle oder ein Kleid aus Vogelfedern, dann wird schnell klar: Sie tun das, um unerkannt zu fliehen. Und selbst das „Aschenbrödel“ wird in der Produktion des Theater K sichtbar, wenn eine Migrantin „bei uns“ bei reichen Leuten arbeiten darf. Und „unsichtbar“ bleiben muss.

Dann brodelt der Samowar, und Anush Manukian, Tochter armenischer Eltern, singt ein sehnsüchtiges Heimatlied. Alles ist in Bewegung, selbst Einkaufswagen kriegen hier ganz übermütig die Kurve. Die Regieleistung von Annette Schmidt ist zu bewundern — so vieles findet gleichzeitig statt, ein Zauberteppich von Geschichten und Schicksalen entfaltet sich vor den Zuschauern und enthüllt doch heutiges Elend.

„Sei du selbst, sei stark und finde dein Glück“ — so lautet der Wahlspruch der acht Frauen, die in der Fremde den „Moosmantel“ abwerfen wollen. Im wahrsten Sinne „fantastisch“ spielen, singen und tanzen Silvana Suarez Cedeno, Simone El Melloukki Riffi (auch als graue Amtsdame großartig), Sharzad Fotouhi, Viorica Hodel, Anush Manukian, Ilay Okur, Svenja Triesch, Sanaz Zafesani. Vom Weggehen und Ankommen erzählt diese Geschichte mit den wundersamen Kostümen, die in viele verschiedene Kulturen führen. Dass die Geschichte dann — eben wie im Märchen — gut ausgeht, erfreut das begeisterte Publikum.

Ein ganz besonderer Abend, der im Januar 2015 auch Fortsetzungen erleben soll.