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Düsseldorf: Vom Verschwinden der Pferde: Wie sich NRW verändert

Düsseldorf : Vom Verschwinden der Pferde: Wie sich NRW verändert

Statistisch gesehen ist das Gejammer der Raucher über die hohen Tabakpreise nicht zu verstehen: Mussten sie 1946 für 20 Zigaretten zwei Stunden arbeiten, sind es heute nur noch 15 Minuten. Wer das alles weiß?

Die 1600 Mitarbeiter des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik, die viele Milliarden Daten über das Land horten und pflegen. Eben ist ihr neues Prunkstück erschienen: das 50. Statistische Jahrbuch NRW.

Dem Ländervergleich hält das Zahlenwerk im Gegensatz zu den Schulen des Landes locker stand: „Unseres ist mit Abstand das dickste”, berichtet Dieter Pauly, der das Amt vom kommenden Montag an kommissarisch leiten wird. Auf mehr als 800 Seiten wird das Land vermessen, gezählt und statistisch seziert. In den 62 Jahren seit Bestehen Nordrhein-Westfalens sind nun 50 Jahrbücher erschienen - Zeit für die Statistiker, einen Rückblick auf die rasante Entwicklung des Landes zu wagen.

Im Jahr 1948 waren in NRW noch 67.000 Autos unterwegs, 2008 sind es 8,8 Millionen. Trotzdem hat sich die Zahl der Verkehrstoten seit dem Höchststand 1964 auf ein Sechstel verringert. Apropos Faktor 6: Im Jahr 1949 gab es in Nordrhein-Westfalen sechs Mal so viele Gemeinden, aber nur ein Sechstel des Autobahnnetzes.

Die Statistiker können bis ins Jahr 1819 zurückblicken, als Düsseldorf mit knapp 27.000 Einwohnern nach heutigen Verhältnissen noch ein Dorf war und Köln mit 56.400 Bürgern immerhin eine Kleinstadt. Den größten Sprung haben aber nicht die Rheinmetropolen gemacht: Ein Flecken namens Dortmund mit damals 4453 Einwohnern hat sich seither zur zweitgrößten Stadt des Landes gemausert.

Auch der enorme Strukturwandel wird in Zahlen der Statistiker anschaulich: Waren 1950 an Rhein und Ruhr fast 500.000 Bergleute im Einsatz, waren es im vergangenen Jahr noch knapp 36.000. Die Arbeitslosenquote hat sich verdoppelt.

Ungebrochen ist die Sportbegeisterung im Lande: 5,25 Millionen Mitglieder zählen die Sportvereine - vor 20 Jahren waren es 4,5 Millionen. Keine Sportart hat in Nordrhein-Westfalen so starken Zulauf wie Golf: Die Zahl der Mitglieder in Golfclubs hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht, gefolgt vom Behindertensport mit einem Plus von 160 Prozent - gleichzeitig hatten die Tennisvereine den stärksten Mitgliederschwund: minus 30 Prozent.

Nach dem Höchststand mit über 18 Millionen Einwohnern hat das bevölkerungsreichste Bundesland zu schrumpfen begonnen: „Und NRW wird schneller schrumpfen, als wir bislang angenommen haben. Ab jetzt gehts bergab.” Der Anteil der über 80-Jährigen wird sich bis 2050 mehr als verdreifachen. Derzeit ist der durchschnittliche NRW-Bürger 42 Jahre alt.

Auch wenn die Statistiker nicht mehr alles zählen und die Zahl der Edelpelztierhandlungen und der „Krüppel- und Siechenheime” nicht mehr im Jahrbuch steht, für eine ordentliche Vieh-Zählung reicht es noch allemal: Während sich die Zahl der Schweine seit 1950 auf 6,4 Millionen mehr als verdreifacht hat, verschwanden allmählich die Pferde: Ihre Zahl sank um gut zwei Drittel auf unter 100.000.