1. Kultur

Aachen: Vom Kitschbild bis zur Staubsammlung

Aachen : Vom Kitschbild bis zur Staubsammlung

Nach acht Jahren hat der Berufsverband Bildender Künstler und Künstlerinnen Aachen Euregio e.V. (BBK) wieder die Gelegenheit, dort auszustellen, wo er selbst vor zehn Jahren gegründet wurde: im Aachener Ludwig Forum.

Eine Jury, bestehend aus dem künstlerischen Leiter des IKOB Eupen, Francis Feidler, dem Aachener Journalisten Christoph Hahn, der künstlerischen Leiterin des Neuen Aachener Kunstvereins, Stefanie Kreuzer, dem Direktor des Ludwig Forums, Harald Kunde, sowie Eric Offermann, Vorstandsmitglied des BBK, wählte aus 80 eingereichten Arbeiten der insgesamt 125 Vereinsmitglieder 21 nach „qualitativen” Gesichtspunkten anonym aus. Herausgekommen ist eine interessante Präsentation einer großen Palette künstlerischer Positionen im Wechselausstellungsbereich.

Die untere der beiden Etagen beherrscht komplett eine begehbare Installation der Künstlerin A. M. Can, die einen kilometerlangen Faden um die Ecken und Säulen der Kabinetträume gespannt hat.

Spiel mit Klischees

Ein Stockwerk höher reicht der Rundgang von den Trümmern eines zusammengestürzten Klopapierrollenturms von Christiane Stamer (plus Film vom Zusammensturz) über ein ironisches Besen-Perücken-Objekt „Der Frauen Glück” von Claudie Schumacher, einer abstrakten Umschreibung architektonischer Versatzstücke von Hubert Heinrich, dem Spiel mit Klischees in einem Kitschbild mit putzigem Hündchen von Evelyn Rogge, über eine roboterartige Keramik-Aphrodite von Christine Willms bis hin zu einem schluchtartig durchbrochenen Bronzeturm von Benno Werth, selbsterklärtermaßen ein metallener „Ausdruck der Hoffnung” - und im Übrigen wohl die einzige künstlerische „Handschrift” unter den 21, die den Juroren bekannt gewesen sein dürfte.

Beeindruckend in ihrer ironischen psychologischen Prägnanz die Holzfigur „Liebespaar” von Ulli Freude: Da umarmt sich ein nacktes Kerlchen ganz alleine. Auffallend auch die Staubsammlung von Alexander Freund, der so besessen wie vergeblich die Vergangenheit und verronnene Zeit in unzähligen Beutelchen zusammengekehrter pulverisierter Materie festzuhalten suchte. BBK-Vorsitzender Fritz G. Rohde selbst ist mit seinem Diptychon „Strukturen” vertreten.

So problematisch der Begriff „Qualität” als künstlerische Kategorie auch immer sein mag - die BBK-Schau gibt einen inspirierenden Einblick in das Schaffen der hiesigen Künstler, denen die Ideen offensichtlich nicht ausgehen.

Eröffnung: am Freitag, 20 Uhr. Bis 15. Januar, Di.-So. 12-18 Uhr, Katalog 10 Euro.