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Schleiden: Vogelsang bekommt einen Vorbau

Schleiden : Vogelsang bekommt einen Vorbau

Der historisch schwer beladene Ort Vogelsang wird äußerlich verändert, aber nicht massiv. Das ist das Ergebnis des Architektenwettbewerbs um den monumentalen Gebäudekomplex, den die Nationalsozialisten als Ordensburg bauen ließen.

Am Montag gab NRW-Bauminister Oliver Wittke auf Vogelsang den Gewinner bekannt, der die Gebäude rund um den „Adlerhof” und das Gelände davor neu gestalten soll.

Es ist die Berliner Architektengemeinschaft der Landschaftsplaner „sinai” und „Mola Winkelmüller Architekten”. Die Landschaftsplaner haben bereits die Gedenkstätte Bergen Belsen neu gestaltet. Derzeit setzen sie gemeinsam mit „Mola Winkelmüller” die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer um.

In Schleiden sollen die Umbauarbeiten zum „Forum Vogelsang” 2009 beginnen. 11,5 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. 2010 sollen die ersten Umbauten eingeweiht werden.

Realisiert werden soll das Forum als Besuchermagnet mit Besucherinformation, Bildungszentrum, Gastronomie sowie den drei Ausstellungen Nationalparkzentrum, NS-Dokumentation und Regionalgeschichte.

Das Preisgericht habe sich nicht leicht getan mit dem historischen Erbe am Nordhang des Urftsees, betonte Juryvorsitzender Fritz Auer. Wie könne ein Beitrag aussehen, der neuen Inhalten Raum gebe, die NS-Geschichte aber nicht kleinrede und verfälsche?

Entschieden hat sich das Preisgericht für einen Entwurf, der „quasi keinen sichtbaren Eingriff in das historische Gebäude vornimmt”, sagte Auer. Nur im Eingangsbereich ist ein neuer Bau vorgesehen: Auf dem „Adlerhof” soll die Besucher ein durchsichtiger Pavillon „mit einer eigenen Formensprache” empfangen.

Allerdings, so die Jury, „er leistet die geforderte Brechung der vorbelasteten Architektur hinsichtlich seiner Materialität und Präsenz in der vorgeschlagenen Form und Größe nur bedingt.” Das kann sich im Laufe des Planungsprozesses, der nun beginnt, allerdings noch ändern.

Durch den Pavillon erreichen die Besucher die Ausstellungsebene eine Etage tiefer - unterhalb der bestehenden Laubengänge sowie des West- und Ostflügels.

Dort werden in die Bausubstanz neue Hüllen eingebaut. Teilweise mit Blick auf den Urftsee und die Wälder. Ein Kunstgriff, der gute Voraussetzungen für die Inszenierung der Ausstellungsarchitektur schaffe, urteilt die Jury.

Hier gebe es nichts Verborgenes mehr, keine Geheimnisse, keine Tore, betonte Bauminister Oliver Wittke. „Wir möchten, dass die Menschen hierherkommen, dass Vogelsang ein offener Ort wird.”

Hocherfreut zeigte sich Wittke über das Ergebnis des Architekturwettbewerbs: „An diesem besonderen Ort geht es nicht um eine beliebige Architektur, sondern um eine sensible, die eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft schlägt.”

Zu dieser Zukunft gehörten auch private Investitionen im touristischen Bereich, die ermöglicht werden müssten. „Das Forum Vogelsang ist Motor der weiteren Standortentwicklung und bildet das Herz des Gesamtgeländes”, sagte auch Renate Hötte, Landesrätin des Landschaftsverbands Rheinland, mit 50 Prozent der größte Gesellschafter der Betreibergesellschaft „Vogelsang ip”.

Alle Architektenentwürfe sind seit Montag im Westflügel ausgestellt.