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Köln: Violin-Solistin bietet glanzvolle Klarheit

Köln : Violin-Solistin bietet glanzvolle Klarheit

Besondere Jubiläen bedürfen außergewöhnlicher Werke.

Das London Symphony Orchestra, das dienstältestes Orchester der britischen Hauptstadt begeht mit einer glanzvollen Tournee seinen 100. Geburtstag, das es nun in die Kölner Philharmonie führte.

Sibelius und Elgar steht auf dem Programm, Chefdirigent Sir Colin Davis am Pult des weltweit renommierten Klangkörper.

Sibelius-Sinfonie mit großer Leichtigkeit

Bemerkenswert ist die Frische und Leichtigkeit mit der das Ensemble schon im Allegro moderato des 1. Satzes von Jean Sibelius Sinfonie Nr. 3 ein facettenreichen Abend einleitet.

Sir Colin Davis leitet sein Orchester gleichsam sensibel zurückhaltend wie konzentriert. Die enge Verbundenheit zu seinen Musikern fördert eine dichte Spannung, die die gesamte Sinfonie durchzieht und sich zu einem schlüssigen Ganzen formiert.

Im zweiten Teil hat das Warten hartgesottener Anhänger ein Ende. Hilary Hahn, 23-jährige Star-Violinistin aus Baltimore, stellt in einer bis in die kleinste Feinheit ausgefeilten Interpretation von Edward Elgars Violinkonzert ihre bravouröse Meisterschaft unter Beweis.

Es grenzt an ein Wunder mit welcher differenziertem Ausdruck und reinster Klarheit die von allen Seiten umjubelte Solistin das schwierige Werk scheinbar mühelos vorträgt.

Ob in der sinnlichen Kadenz des Adagios oder im gesteigerten Tempo des Allegro molto - Hilary Hahn ist Elgar in beeindruckenster Weise vertraut.

„Wie ein Stern auf der Abbey Road”

Gerade hat sie mit dem London Symphony Orchestra das Konzert eingespielt. Mit Ehrfurcht stand sie wie Hilary Hahn im Gespräch berichtet in jenem Studio, in dem Jahrzehnte früher Yehudi Menuhin mit Edgar Elgar das gleiche Stück spielte.

„Eine große Ehre für mich, wie ein Stern auf der Abbey Road in Los Angeles.„ Eine fast beängstigende Bescheidenheit, Markenzeichen der junge Ausnahmekünstlerin. Die lange Geschichte des LSO findet in der Eigenheit und im Traditionsbewußtsein grandioser Musiker seinen Ausdruck.

Mit dem Respekt des Publikums begibt sich das Orchester nicht auf das sichere Terrain der großen Klassiker, sondern überzeugt mit Eleganz und hohem Können, wie unbekanntere Werke gleichfalls Geburtstagshöhepunkte sein können. Jubel und heftiger Beifall.

Als Zugabe ein kurze Bach. Hilary Hahn solo, schlicht, vollkommen. Eine Künstlerin, deren weitere Laufbahn gespannt erwartet werden darf.