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Aachen: Villa Massimo zeigt ihr historisches Gesicht

Aachen : Villa Massimo zeigt ihr historisches Gesicht

Die Villa Massimo in Rom ist eine betagte alte Dame: 1910 wurde sie mitsamt umliegendem Park und Künstlerateliers von dem Industriellen und Kunst-Mäzen Eduard Arnhold erbaut und dem Preußischen Staat als Deutsche Akademie für künstlerischen Nachwuchs gestiftet.

Kein Wunder, dass die zehn jungen deutschen Maler, Bildhauer, Architekten und Literaten, die sich 80 Jahre später dort aufhielten, ab und zu kalte Füße bekamen: Die Heizung fiel aus. Das wird so schnell nicht wieder passieren. Unter Leitung des Aachener Architektenbüros Hahn-Helten wurde die Villa Massimo umfassend renoviert.

Professor Ulrich Hahn wusste, was ihn in Rom erwarten würde. Er selbst hatte 1989/90 als Stipendiat in der Deutschen Akademie Villa Massimo gelebt und ihre räumlichen Vorzüge und Nachteile kennengelernt: Die befruchtende künstlerische Atmosphäre wurde überschattet von spürbaren technischen Problemen.

Die letzte Renovierung lag ganz einfach Jahrzehnte zurück. Die Bundesregierung entschloss sich zu kleinen Instandsetzungsmaßnahmen. Doch als Hahn-Helten die Bestandsaufnahme in Rom begannen, war schnell klar: Das reicht nicht.

„Die gesamte Infrastruktur in der Villa und den Ateliers war veraltet und größtenteils defekt”, erinnert sich Hahn. Alle Rohre waren völlig verkalkt, die Wände feucht, klimatisiert war nur ein einziger Raum, Doppelverglasungen gab es nirgends und Anschlussmöglichkeiten für moderne Kommunikationsmittel wie das Internet fehlten völlig.

Zudem war die Villa im Laufe der Jahre und Renovierungen völlig verbaut worden. Der Neo-Renaissance-Bau hatte im Innern sein Gesicht verloren. So bekam das Architekturbüro Hahn-Helten den Auftrag zur Totalsanierung und das Auftragsvolumen wuchs von 1,5 Millionen auf über zehn Millionen Mark (rund fünf Millionen Euro) an. „Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass wir den Umbau innerhalb des Zeit- und Finanzrahmens hinbekommen haben.”

In Rom ein Baudenkmal höchster Kategorie

Allein der „sehr, sehr strenge Denkmalschutz” in Rom hätte bei diesem Baudenkmal der höchsten Kategorie zu teuren Verzögerungen führen können. Doch das Ziel der Architekten, die Villa wieder in seiner historischen Substanz zur Geltung zu bringen, kam den Wünschen der Denkmalschützer entgegen.

Der frühere Stipendiat nahm nachträgliche Einbauten heraus und legte die „großzügige Architektur des Hauses” wieder frei. Eine indirekte Beleuchtung betont die repräsentativen Gewölbe.

Die moderne Technik zur Belüftung und Beheizung des Hauses fügt sich fast unsichtbar in das knapp 100 Jahre alte Gebäude über klitzekleine Öffnungen in den Keller - fürs Erdgeschoss - oder den Dachboden - für die erste Etage.

Die Doppelglasfenster in den verschiedensten Sprossenteilungen („dafür brauchen sie Spezialisten”) lieferte die Schreinerei Brammertz aus Kornelimünster - und Hahn ist begeistert: „Die Arbeiten wurden exzellent ausgeführt.”

Nicht nur äußerlich, auch in ihrer Funktion ist die Villa nun ihren Ursprüngen wieder sehr nahe: Der Direktor und die Verwaltung der Künstlerakademie sind wieder eingezogen. Dadurch wurden die Räume der früheren Kutschenremisen frei, die Hahn-Helten zu modernen Ausstellungsräumen umgebaut hat, die der Akademie bislang fehlten.

Insgesamt bleibt die Handschrift der Aachener Architekten unsichtbar. So muss es sein: „Das ist kein Auftrag, bei dem man starke Akzente setzen kann”, weiß Hahn, „er erlegt einem Bescheidenheit auf, aber wenn der Bau eine bestimmte Qualität hat, fällt einem das leicht.”