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Aachen: Viele Antworten, noch mehr Fragen: „Quizoola!“ im Theater Aachen

Aachen : Viele Antworten, noch mehr Fragen: „Quizoola!“ im Theater Aachen

Ein Theaterabend wie dieser — sechs Schauspieler, die knapp 80 Minuten lang auf offener Bühne mehr oder weniger abgründige Fragen stellen und mehr oder weniger befriedigende Antworten darauf finden müssen — birgt einige Risiken: Das kann sehr amüsant, aber auch reichlich zäh ablaufen.

Marion Schneider-Basts Inszenierung von „Quizoola!“ — entwickelt vom Briten Tim Etchells und seiner Truppe „Forced Entertainment“ — für das Aachener Theater war irgendwie beides. Wobei hier die Rede nur von der Premiere sein kann. Dieses Produktion dürfte bei jeder Aufführung anders verlaufen — andere Fragen, andere Antworten. Denn die Sechs auf der Bühne der Kammer (Vesna Hiltmann hat zwei Fragezeichen als Sitzmöbel entworfen und vor einen Glittervorhang gelegt) improvisieren. Oder etwa nicht?

Mit Stücken wie diesen will das Theater seine Besucher „raus aus der Komfortzone“ holen. Also dürfen sie selbst Fragen einreichen, die am Ende beantwortet werden, und werden selbst befragt. Das artet dann in eine muntere Leibesübung aus (aufstehen: ja, sitzen bleiben: nein), bei der die Fragen etwas in den Hintergrund geraten.

Die Schauspieler (Luana Bellinghausen, Lara Beckmann, Nele Swanton, Torsten Borm, Philipp Manuel Rothkopf, Karsten Meyer) hatten sich zuvor in verschiedenen und wechselnden Konstellationen gruppiert, zu einer Quizshow mit teils banalen, teils sehr intimen Fragen. Manchmal geraten sie dabei regelrecht in einen Flow, angezogen vom Sog des Bekennens, manchmal holpert und knarzt es heftig. Wer dem zuhört, kann eigentlich nie ganz sicher sein, ob und wo das Gespielte aufhört und ob und wo die Spontaneität anfängt.

Ist Rothkopf „wirklich“ so ein Klassenclown mit Entertainerqualitäten? Haben Swanton und Beckmann „wirklich“ ein Problem miteinander? „Quizoola!“ balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Inszenierung und Authentizität. Zwischendurch dürfen die sechs Quizshow-Arbeiter auch mal Pause machen mit Stulle, Wasser und Keksen, um dann auf Kommando eine 80er-Jahre-Fernsehballett-Nummer aufs Parkett zu legen.

Ein Abend mit vielen Antworten, aber eigentlich noch mehr Fragen. Kräftiger Applaus.