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Düsseldorf: Viel Charisma und viel Klasse: Grandiose Reunion von The Police

Düsseldorf : Viel Charisma und viel Klasse: Grandiose Reunion von The Police

„Hallo Düsseldorf, wir sind etwas spät.” Ein überaus charmanter Einstieg in ein denkwürdiges Konzert, das eigentlich schon vor annähernd acht Monaten über die Bühne gehen sollte. Gordon Matthew Sumner, besser bekannt unter dem Künstlernamen Sting, beherrscht halt nicht nur seine Bassgitarre, sondern auch das Publikum nahezu perfekt.

Damals, am 31. Oktober 2007, sollten The Police eigentlich in der LTU-Arena auftreten. Sting laborierte aber seinerzeit an einer Kehlkopfentzündung. Es schien so, als ob seine drei Oktaven umfassende Kopfstimme, unvergleichbares Markenzeichen, den Belastungen der ersten gemeinsamen Tour nach 21 Jahren nicht standhielt.

So musste ein neuer Termin gefunden werden und der stürzte zumindest die Fußballfreunde unter den Police-Fans in Konflikte: Sting und Co. live im Stadion erleben zum Abschluss ihrer Europatour oder Deutschland gegen Polen am Bildschirm zum Auftakt der Europameisterschaft verfolgen?

Tatsächlich war die Frage nach zwei Takten des Openers „Message In A Bottle” schon beantwortet. Mit einer kaum zu beschreibenden Dynamik und Spielfreude zog das Trio die 42.000 restlos begeisterten Zuhörer von Beginn an in seinen Bann.

Zwar blieben die zahlreichen Police-Klassiker für die große Fangemeinde erkennbar, jedoch kleidete die erstklassige Combo ihre zahlreichen Hits in neue passende musikalische Gewänder. An die Stelle wilden Postpunks rückte modernster Rock mit Police-typischen Reggae-, Ska- und Pop-Einflüssen.

Oft konnte sich der mittlerweile 64-Jährige Andy Summers kaum bremsen und ließ seine Gitarren-Solos in Metalattacken münden, wie sie vornehmlich von Robert Fripp (King Crimson) oder auch Steven Wilson (Porcupine Tree) ausufernd zelebriert werden.

Auch Stewart Copeland (56), der Jüngste im Trio, wurde seinem Ruf als Drummer von Weltklasseformat absolut gerecht. Der Meister des Hi-Hat-Spiels legte ein atemberaubendes Tempo vor, dem seine Mitstreiter jedoch mühelos folgen konnten.

Auch an diversen Perkussionsinstrumenten und dem Riesengong machte der mit Handschuhen, Stirnband und Brille bestens ausgerüstete Ausnahmeschlagzeuger eine sehr gute Figur.

Schwarm der deutlich in weiblicher Überzahl erschienenen Fans war aber der unglaublich sympathisch wirkende und in sich ruhende Sting. Seine mehreren Stunden Yoga pro Tag scheinen sich voll gelohnt zu haben.

Denn der charismatische 57-Jährige sah mit seinem Dreitagebart glatt 20 Jahre jünger aus. Dass der Brite einige Stücke eine Oktav tiefer als im Original sang, mag aber dann doch ein Tribut ans „Alter” gewesen sein, schmälerte aber in keiner Weise seine außergewöhnliche Vokalkunst.

Kurzum: Ein Gitarrist, ein Bassist/Sänger sowie ein Drummer rockten die Arena mehr als 100 Minuten sondergleichen - dank virtuosem Spiel und fantastischer Neuarrangements. Dabei verzichteten die „Polizisten” auf eine aufwändige Bühnenshow, sondern setzten gezielt auf besondere Effekte wie beispielsweise bei „Roxanne”, als der komplette Innenraum - passend zum Text - in knalligem Rot aufleuchtete.

Musikalischer Höhepunkt war zweifellos die Interpretation der in Deutschland weniger erfolgreichen Single „King Of Pain”. Ungewohnte Xylophon-Klänge und treibende Rhythmen verschmolzen mit hypnotischem Gesang und ungemein gefühlvollem Gitarrenspiel zu einer zeitlos schönen Musikperle.

In Düsseldorf feierte The Police eine grandiose Reunion. Es war wohl nicht nur das Goodbye für Europa, sondern womöglich auch der endgültige Abschied als Live-Band. Nach Düsseldorf mag das Trio spät gekommen sein, aber glücklicherweise nicht zu spät!