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Düsseldorf: Viel Beifall für Mozarts „Entführung von Serail”

Düsseldorf : Viel Beifall für Mozarts „Entführung von Serail”

„,Die Entführung aus dem Serail von Mozart schlägt alles nieder.” Das sagte Goethe über Mozarts Singspiel, den größten Publikumserfolg des Komponisten.

Man konnte dem Werk nunmehr in der Düsseldorfer Rheinoper in einer Inszenierung von Andeàs Fricsay, dem Sohn des großen, viel zu früh verstorbenen Dirigenten, begegnen.

Johannes Leiacker hatte ihm ein malerisches Bühnenbild hingestellt: den Chorraum einer in Umwandlung zur Moschee befindlichen alten Kirche mit verhangenen Baugerüsten, einem nackten Altartisch und einer übrig gebliebenen Heiligenfigur. Reiche Lichteffekte sorgten für farbige Opulenz.

Leider glaubte Fricsay, Stephanies Texte in Richtung auf psychologische Vertiefung hin anreichern zu müssen, was vor allem für die Sprechrolle des Bassa Selim gilt, den der Regisseur selber spielte, und der, wenn er sich über Constanzes Liebesverweigerung wieder abgeregt hatte, am Ende einem segnenden Papst ähnlicher sah als einem orientalischen Potentaten.

Langatmig und laut

Bei aller Detailfülle fehlte der ansonsten plausiblen Inszenierung der vorwärtsdrängende Zug. Das gilt vor allem für den dritten Akt, der nicht enden wollte. Wenn man Belmontes retardierende und deshalb oft gestrichene Baumeisterarie schon singen lässt, dann sollte man nicht auch noch durch albernen Krach mit einer Riesenleiter und einem noch alberneren aus der Rolle fallenden Extempores Pedrillos das zu Ende drängende Geschehen weiter hinauszuzögern. Mozart ist nicht Lortzing, Pedrillo nicht Van Bett.

Wenn der Abend nicht ganz auf dem gewohnt hohen sängerischen Niveau der Rheinoper stand, so hatte das krankheitsbedingte Gründe. Catriona Smith von der Staatsoper Stuttgart, als Constanze eingesprungen, sang die immens schwere Marternarie imponierend und mit dramatischem Impetus, überzeugte aber weniger in der Lyrik, wo sich ein störendes Vibrato bemerkbar machte.

Eir Inderhaug war die so locker singende wie agierende, von der Regie recht aufgedrehte Blonde. Corby Welch, der Belmonte, stand trotz vor Beginn angekündigter Indisposition seine Rolle glanzvoll durch.

Nobert Ernst war der wendige, schließlich missbrauchte Pedrillo. Und Artur Korn blieb seinem vollsaftigen Osmin nichts an dröhnender Bassfülle, zumindest in Mittel- und hoher Lage, schuldig.

Der junge Alexander Joel am Dirigentenpult hielt auf sauberes Spiel der Düsseldorfer Symphoniker und trotz einiger kleiner Differenzen auf straffe Führung der Protagonisten. Viel Beifall.