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Aachen: Vernetzt und formschön: Designer präsentieren Abschlussarbeiten

Aachen : Vernetzt und formschön: Designer präsentieren Abschlussarbeiten

Den Kopf in sanfte Kissen gebettet, bahnt sich der Blick seinen Weg durch den nächtlichen Sternenhimmel. Burcu Bozkurts eiförmiges Holzgartenhaus mit seinem gläsernen Dach trotzt dem bekannten Bild der vier Wände.

„In der Natur gibt es nur runde, keine geradlinigen, puristischen Formen”, sagt die frischgebackene Diplom-Designerin. Wenn´s nach ihr ginge, darf ihr „Auszeit” genanntes, fast viereinhalb Meter und zwei Etagen hohes Oval-Konzept gern in Serie gehen.

So wie die 40 anderen Entwürfe ihrer Fachhochschulkommilitonen, die ihre innovativen Ideen aus den Bereichen Produkt- und Kommunikationsdesign präsentieren. Anna Burzywodas Ansatz ist dabei ein ganz anderer. Sie hat das Café Zuflucht in den Mittelpunkt ihrer Diplomarbeit gestellt und dem Beratungs- und Begegnungszentrum für Flüchtlinge ein visuelles Konzept vom Internetauftritt über Flyer und Broschüren bis hin zur Visitenkarte gespendet. „Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass diese Einrichtung hochfrequentiert ist und Unterstützung braucht”, erklärt die Designerin.

Wer durch die Hallen der FH schlendert, hält immer wieder erstaunt inne. Ein Sportgerät, das Mountainbike und Snowboard vereint? Eine Systemlösung für ein Baumhaus als Traumhaus? Ein mobiles Domizil inmitten von Wasser, Wind und Licht? Carsten Witschs „Draft” könnte futuristischen Funsport-Fans famose Fahrten verschaffen; Christoph Dechaus „MyBaum” hat schon einen ganz realen Platz nahe des Aachener Tierparks gefunden.

Und Tatjana Schieles „Wassermann und Windsbraut”? Noch formschöne Zukunftsmusik. „Mein Entwurf spannt über den Zwiespalt zwischen der immer geforderten Flexibilität und der Sehnsucht nach Identität einen Bogen und thematisiert das Element Wasser als Wohnraum für den Menschen neu”, verrät Schiele, wie sie Mobilität mit Vertrautheit in Einklang bringen will.

Mobil war auch Anneke Fricke - 13693 Kilometer und sechs Wochen lang. Sie ist vom estländischen Tallinn über Porto nach Dublin und Zürich bis Istanbul und schließlich zurück nach Aachen gereist. Ihre „erschlagende Materialmenge” von rund 2400 ausgewählten Fotos zeugt von ihrer Suche nach der Atmosphäre von Design-Lehrstätten in Europa. „Es gibt einen großen Bedarf der Studenten nach emotionalen Informationen über andere Unis, die man aber im Internet nicht finden kann”, sagt Fricke, die die Ergebnisse ihrer Recherchereise in einem Buchband festgehalten hat.

„Das vernetzte Arbeiten zwischen den Disziplinen ist die Zukunft für die Kommunikation und Gestaltung von morgen”, beschreibt Professor Helmut Jakobs, Dekan des Fachbereichs Gestaltung, die Vielseitigkeit der 41 Diplomarbeiten. Und Burcu Bozkurt findet noch eine andere Formulierung, die nicht nur für die innovative Idee ihres Gartenhauses gelten dürfte: „Es ist wichtig, dass das Kindsein zurückkommt.”

Die Abschlussarbeiten sind am Samstag, 18. Juli, noch von 11 bis 18 Uhr in der Fachhochschule am Boxgraben 100 zu besichtigen. Um 15 Uhr findet im Foyer eine Aufführung des Performance-Netzwerks „tanz.art” statt.