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Köln: Verhütungstipps von Kardinal und Fürstin: Thermometer statt Pille

Köln : Verhütungstipps von Kardinal und Fürstin: Thermometer statt Pille

Sandra Maischberger (42) hatte in ihrer Talk-Sendung am Dienstagabend nur zwei Gäste, und die waren sich in allem rührend einig: Die Pille ist Abtreibung, Abtreibung ist Massenmord, und Kondome helfen nicht gegen Aids.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner (74), bekannt als Rechtsaußen der deutschen Bischofskonferenz, und Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (48) stritten vereint für „die Wahrhaftigkeit”.

Einmal gaben „die Fürstin und der Kardinal” - so der Titel eines gemeinsamen Buches, das sie am Mittwoch in Köln vorstellten - sogar zusammen Verhütungstipps.

Zur Überraschung Maischbergers kam Meisner auf zwei neu entwickelte Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung zu sprechen. Im Einzelnen könne er das nun zwar nicht darstellen, aber die katholischen Beratungsstellen hätten alle Details. Dort bitte nachfragen. Die Fürstin kam ihm zu Hilfe und pries das gute alte Thermometer an: „Ich habe mich gemessen, das funktioniert.”

Gloria, das ist für viele immer noch die „verrückte” bayerische Adelige, die in den 80er Jahren mit punkigem Kopfputz bei „Wetten dass...?” auftrat. „Um Gottes Willen”, entfuhr es ihr, als sie in der Sendung noch einmal mit diesem Outfit konfrontiert wurde.

Ihre eigenen - erwachsenen - Kinder seien zum Glück ganz anders als sie. Die Töchter bekommen von ihr den Rat, nicht die Pille zu nehmen: „Die Pille ist eine Form der Abtreibung.”

Kondome sind für sie ebenfalls tabu, auch in Afrika zum Schutz vor Aids: „Kondome gegen Aids helfen nicht. Was nützt, ist, einen Mann zu haben, der treu ist.”

Einfach weniger „schnackseln”. Da konnte sich der Kardinal nur anschließen: „Der Mensch ist doch kein Triebbündel!” Die Fürstin gestand gleichwohl, dass sie noch immer Probleme mit dem sechsten Gebot habe, wonach man nicht unkeusch sein darf.

Gedanken reichten da ja schon. Einmal im Monat geht sie deshalb zur Beichte, das sei „wie duschen” für die Seele. Als sie noch jünger war, ging sie jede Woche, „das hat geholfen” ebenso wie der tägliche Besuch der Heiligen Messe.

Einen eigenen Schlosskaplan hat sie auf ihrem Anwesen leider nicht mehr, Stichwort Priestermangel. Bei so viel Gottesfurcht musste Maischberger selbst die Rolle des Advocatus Diaboli übernehmen, assistiert von Norbert Blüm.

Der Christdemokrat warb in kurzen Einspielfilmen unter anderem um mehr Verständnis für Geschiedene. Meisner reagierte irritiert: Blüm, „kein Kirchenlehrer”, komme in der Sendung entschieden zu häufig zu Wort, beklagte er schließlich. Aber egal - „ich habe Fronterfahrung”.

Die Fürstin schätzt Meisner vor allem, weil er als einziges Mitglied der katholischen Bischofskonferenz noch nicht der political correctness erlegen sei.

Sie selbst steht ihm da nicht nach, erwähnte geschwind noch, dass sie bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl auf eine Niederlage von Barack Obama hofft, und erwiderte auf die Frage, ob Homosexuelle ihren Neigungen nachgehen sollten, der Weg in den Himmel sei steinig, der in die Hölle bequem. Was kann man da tun? „Beten, beten.”

Am Mittwoch trat das Paar in Köln noch einmal vor die Presse. Der Kardinal äußerte sein Erstaunen darüber, wie wenig sich Frau Maischberger doch in Glaubensfragen auskenne.

„Ich meine, wenn man eine Fürstin und einen Kardinal interviewt, dann muss man doch wissen, was das sechste Gebot ist.” Im übrigen sei es leider viel zuviel um Sachen gegangen, die mittlerweile wirklich niemand mehr hören könne: „Aids, Homosexualität und diese ganzen Reizthemen.”