Handwerk statt Reform: Verdi-Oper in Lüttich setzt allein stimmlich Maßstäbe

Handwerk statt Reform: Verdi-Oper in Lüttich setzt allein stimmlich Maßstäbe

Es fällt schwer, sich nicht zu wiederholen, wenn in fast jeder Produktion der „Opéra Royal Liège Wallonie“ die gleichen Stärken und Schwächen zum Tragen kommen. Intendnat Stefano Mazzonis di Pralafera sieht keinen Anlass, sein seit Jahren erprobtes Konzept, das ihm regelmäßig volle Häuser garantiert, zu ändern.

Und das Rezept ist ganz einfach: Zum Teil überragende Sänger in Inszenierungen mit dem Ambiente des vorletzten Jahrhunderts. Das teilweise von weit her anreisende Publikum weiß dieses gewiss nicht innovative Erfolgsrezept zu schätzen. Und auch für diejenigen, die von den Inszenierungen etwas mehr als reines Ausstattungstheater erwarten, lohnt sich eine Reise nach Lüttich. Denn stimmlich setzt das Haus Maßstäbe, Stars inbegriffen.

Dazu gehört die Mezzosopranistin Violeta Urmana, die als Azucena der neuen Produktion von Verdis „Trovatore“ mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrer raumsprengenden Stimme besonderen Glanz verleiht. Allerdings ist die Aufführung insgesamt nicht gerade ein Freudenfest für hypersensible Stimmästheten. Denn so robust es in dem wohl schwächsten Libretto unter den berühmten Verdi-Opern zugeht, so rau geht es auch musikalisch zu.

Daniel Oren verströmt am Pult des kräftig zulangenden Orchesters der Lütticher Oper eine Menge Theaterluft. Und auch auf der Bühne geht es druckvoll zu. Allesamt große, wenn auch nicht immer feinfühlig geführte Stimmen. Das führt bei Fabio Sartori als Manrico zu vielen forcierten und nicht besonders schönen Tönen. Yolanda Auyanet als Leonora findet immerhin, wie auch Violeta Urmana und Mario Cassi als Graf Luna, stellenweise zu zarteren Tönen.

Ohne Konzept, mit viel Geschick

Alessandro Ciammarughi erstellt eine düstere Kulisse mit zwei mächtigen Freitreppen, vor und auf denen sich die in schwere historische Kostüme gekleideten Sänger recht frei bewegen können. Regisseur Stefano Vizioli führt die Figuren der Handlung entlang ohne besonderes Konzept, aber mit handwerklichem Geschick. Dass vieles wie aus der Mottenkiste wirkt, werden Stimmfetischisten verzeihen.

Die nächsten Aufführungen im Königlichen Opernhaus Lüttich: am 19., 22., 25. und 28. September.

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