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Köln: Verbeult, aber gerettet: „Kölner Silber” kehrt zurück

Köln : Verbeult, aber gerettet: „Kölner Silber” kehrt zurück

Neun von elf geraubten Objekten des dem Kölner Stadmuseum gehörenden „Kölner Silbers” aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind zurückgekehrt.

Wie Direktor Werner Schäfke in Köln sagte, sind die von dem international tätigen Kunsträuber Stephan Breitwieser im Frühjahr 2001 gestohlenen Pokale, Becher und Besteckteile von dessen Mutter im Rhein-Rhone-Kanal versenkt und nach der Festnahme Breitwiesers geborgen worden.

Die teils lädierten Stücke werden vier Wochen lang im Museum ausgestellt und dann restauriert. Den Versicherungswert bezifferte Schäfke auf 250.000 Euro.

Stephan Breitwieser hatte lange Finger, aber sein Arm war ein bisschen zu kurz. Sonst wäre es dem international tätigen Kunsträuber nicht nur gelungen, im Kölnischen Stadtmuseum elf hochkarätige Gold- und Silberobjekte mitgehen zu lassen, sondern auch noch das Prunkstück der Vitrine, einen der wenigen heute noch erhaltenen Prunkdolche aus der Renaissance.

Im Mai 2001 war der Elsässer als scheinbar ganz normaler Besucher ins Museum gekommen. Zielsicher steuerte der Mann mit dem Faible für Barock- und Renaissance-Silber die Vitrine im ersten Stock zwischen jüdischen Sakralgegenständen und muschelverziertem Aufsatzsekretär an, hebelte das Schloss an der rechten Seite auf - und langte zu.

Soweit der Arm eben reichte, und das war für den mittig platzierten Prunkdolch nicht weit genug. Anschließend sortierte der diebische Kunstliebhaber die Vitrine noch ein bisschen um, so dass die entstandenen Lücken optisch aufgefüllt wurden, und spazierte mit seiner Beute seelenruhig wieder hinaus.

Der Diebstahl wurde erst Tage später entdeckt. Nun, aufgrund des langen Verwaltungswegs erst nach fast zweieinhalb Jahren, sind neun der elf entwendeten Exponate nach Köln zurück gekehrt.

Die Festnahme Breitwiesers förderte nicht nur Kunstschätze aus renommierten Museen in ganz Europa zu Tage, mit denen er sein Haus in der Schweiz verschönt hatte, sondern auch diverse Müllsäcke am Grunde des Rhein-Rhone-Kanals. Darin befand sich auch das Kölner Silber.

„Im Vergleich zu anderen Häusern haben wir noch Glück gehabt”, kommentiert Museumschef Dr. Werner Schäfke die teils verbeulten, teils lädierten, aber geretteten Exponate.

Während Gemälde von unschätzbarem Wert in kleine Quadrate zerschnitten wurden, hat bei den meisten Kölner Pretiosen „nur” die Oberfläche gelitten: „Im Original war sie dunkler”.

Das einst bewegliche Klappmesser eines Reisebestecks ist fest gerostet, die Schale eines so genannten „Scherzpokals” aus dem Barock zusammen gepresst wie eine saftlose Pampelmusenhälfte. Dem Krieger, der den Pokal ziert, ist der Stab abhanden gekommen.

Weit schlimmer wiegt, dass der „Gimmick” des Pokals fehlt - ein kleines, „Hansel im Keller” genanntes, Männlein aus Silber in Gestalt von Gevatter Tod.

Wurde der Pokal mit Wein gefüllt, tauchte es wie durch Geisterhand auf, trank man ihn aus, versank es wieder. Von diesem Typ Scherzpokal existieren weltweit nur zwei Exemplare, eins davon jetzt unvollständig.

Die nächsten vier Wochen werden Löffel, Becher und Pokale - darunter zwei wertvolle Exponate, deren Korpus eine von Spangen gehaltene, mit filigranen biblischen Schnitzereien verzierte Kokosnuss bildet - an zentraler Stelle im Erdgeschoss, direkt neben dem knallroten Ford Taunus, zu sehen sein.

Dann werden die wieder gefundenen Schätze, so weit möglich, behutsam restauriert. Aus seinen Fehlern hat das Museum gelernt.

Die Vitrinen im ersten Stock sind jetzt mit modernen Doppel-Schlössern und inneren Extra-Wänden gesichert, die Kameras wurden neu justiert, der zeitweilig abgeschaffte Museumswächter ist wieder auf dem Posten.