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Venedig: „Venedig braucht ganz dringend ein Facelifting”

Venedig : „Venedig braucht ganz dringend ein Facelifting”

Wenige Tage vor Abschluss der Filmfestspiele in Venedig hat der neue Festivaldirektor Moritz de Hadeln eine Reform der Biennale gefordert.

„Ich würde nur weiterhin Festivalchef bleiben, wenn ich das Gefühl hätte, dass in Venedig die Modernisierung der Organisation und der Infrastruktur tatsächlich durchgeführt würde”, sagte de Hadeln in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Zugleich nahm er die beiden deutschen Wettbewerbsbeiträge „Nackt” von Doris Dörrie und „Führer Ex” von Regisseur Winfried Bonengel gegen erste harte Kritiken in Schutz. „Die deutsche Presse ist immer sehr hart mit deutschen Filmen. Filmkritik ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite ist, wie das Publikum reagiert.”

Beide Streifen haben seiner Meinung nach gute Chancen beim Publikum. De Hadeln bedauerte es in diesem Zusammenhang, dass der deutsche Kultur-Staatsminister Julian Nida-Rümelin erst zum Ende der Biennale am Wochenende an den Lido kommt, „und nicht, als die deutschen Filme gelaufen sind”.

De Hadeln war über 20 Jahre lang Leiter der Berlinale und ist erst vor wenigen Monaten zum Festivaldirektor in Venedig ernannt worden, allerdings zunächst nur mit einem Ein-Jahres-Vertrag. „Ich möchte aber nicht als Feuerwehrmann hier bleiben, nur um das Festival jedes Jahr erneut zu retten.”

„In Berlin etwa gibt es ein hochorganisiertes Festival, in Venedig dagegen zu viel Improvisation und eine veraltete Bürokratie. Venedig braucht ganz dringend ein Gesichts-Lifting.” Dies habe auch der neue Festivalpräsident Franco Bernabé erkannt. „Und wir sind in sehr vielen Dingen gleicher Meinung”, fügte de Hadeln hinzu.

Zur diesjährigen Auswahl der Filme meinte er: „Man kann nicht mehr ein Festival konzipieren, wie man es in den 70er Jahren getan hat, nämlich hauptsächlich mit Autorenfilmen.”

So hätten es etwa amerikanische Verteiler „bedauert, dass der Goldene Löwe in den vergangenen Jahren nicht mehr den Wert hatte, den er haben sollte”. Heute bedürfe es bei Festspielen eines sehr viel breiteren Spektrums. „Dazu gehören auch publikumswirksame Filme.”

Das müsse nicht bedeuten, dass bei der Qualität Abstriche gemacht würden. „Aber hinter jedem Film steht ein Produzent und ein Verteiler sowie das Interesse, auch an den Markt zu kommen.”

Die Preise am Lido werden an diesem Sonntag verliehen. Ein deutscher Film gewann zum letzten Mal vor 20 Jahren den Goldenen Löwen.