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Aachen: US-Herzsegel senkt das Risiko

Aachen : US-Herzsegel senkt das Risiko

Der Appetit der Chirurgen ist geweckt: Mit Herzbeutelmaterial vom Rind ist das Mayonnaise-farbene Plastik-Läppchen überbacken - hauchdünn, gerade mal ein paar Quadratzentimeter groß.

Ein kleiner, glibberiger Schlund. So simpel kommt sie auf den OP-Tisch, die neueste Errungenschaft der Herzchirurgie. Ihr Name geht dafür umso schwerer über die Lippen: „Mitro-Fast Automatic - Mitral Annuloplasty Repair Device”. Zu deutsch: Herzklappensegel. Flattern - besser: öffnen und schließen - soll es in reparaturbedürftigen Herzkammern. Und dies in vielen Fällen als risikoarme Alternative zur Kunstklappe.

„Ich rechne damit, dass wir mit dem neuen System bis zu 20 Prozent weniger komplette Herzklappen ersetzen müssen”, erklärt Professor Rüdiger Autschbach. Der Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie im Universitätsklinikum Aachen hat das Kunstsegel bereits bei vier Patienten erfolgreich implantiert - als erster Herzchirurg Deutschlands.

Die Innovation aus New Jersey soll nun an drei weiteren deutschen Herzzentren getestet werden - und dann weltweit Chirurgenherzen höher und die der Patienten länger schlagen lassen. Denn der blass-gelbliche Plastik-Schlund löst für zahllose Herzkranke, die nicht unter der Verengung von Gefäßen leiden, ein lebensgefährliches Problem.