1. Kultur

Uraufführung in Nideggen: Dantes „Göttliche Komödie” und der Synthesizer

Uraufführung in Nideggen: Dantes „Göttliche Komödie” und der Synthesizer

Mit der Neu-Inszenierung von „Die Burg II” starten am Freitag offiziell die Eifel-Festspiele auf Burg Nideggen. Am nächsten Wochenende stellen sich dort die Pioniere der Synthesizer-Musik vor.

Tangerine Dream, 1967 gegründet, führen am 23. und 24. August, 21 Uhr, zum ersten Mal Teil I ihres neuesten Projekts, der Vertonung von Dantes Werk „Die Göttliche Komödie”, auf.

Mit dem Bandleader Edgar Froese sprach AZ-Redakteur Christoph Lammertz über dieses Projekt.

„Ihre Musik ist schön wie die von Johann Sebastian Bach”, schrieb die New York Times einmal über Tangerine Dream. Ist das ein Anspruch, den Sie auch selbst an Ihre Kompositionen stellen?

Edgar Froese: Es ist vollkommen sinnlos, sich an Bach messen zu wollen. Wir haben unsere Möglichkeiten als Komponisten erkannt und versuchen, in diesem Rahmen Optimales zu leisten. Inwieweit unser Publikum diesem Anspruch folgen kann, entzieht sich unserer Beurteilung.

Sie haben mit ihrer Musik oft neue Wege beschritten und sind sich dennoch treu geblieben. Was gerade angesagt war, hat sie herzlich wenig interessiert. War das die Basis dafür, 35 Jahre lang im Geschäft zu bleiben?

Edgar Froese: Wir glauben, dass dies die einzige Basis ist, auf der ein Künstler seinen Weg frei von der Beeinflussung anderer gehen kann. Die Orientierung an Trends wäre für uns nie in Frage gekommen.

Viele andere Musiker haben sich allerdings an Ihnen orientiert. Als Sie mit Ihrer Synthesizer-Musik starteten, beherrschten andere die Einstellungen an ihrer Hammond-Orgel noch nicht. Heute ist jeder zweitklassige DJ in der Lage, bombastische Sounds zu kreieren. Ärgert Sie das oder ist es eher Bestätigung?

Edgar Froese: Natürlich haben wir die Musikszene beeinflusst. Aber mit der Performance von DJ´s und Ähnlichem hat unsere Arbeit nichts zu tun. Es liegen tatsächlich buchstäblich Welten dazwischen. Insofern kann auch kein Ärger aus solchen Vergleichen entstehen.

Die Besetzung von Tangerine Dream hat sehr oft gewechselt. Seit 1991 ist Ihr Sohn Jerome nun reguläres Bandmitglied. Das ist sicher keine alltägliche Konstellation.

Edgar Froese: Der familiäre Aspekt ist bei Tangerine Dream vollkommen unwichtig. Es geht einzig und alleine um die Musik. Jerome ist ein intelligenter und interessanter Musiker - deshalb spielt er eine wichtige Rolle in der Gruppe.

Zu Ihrem neuen Projekt, der Vertonung von Dantes Göttlicher Komödie. Beim jetzt aktuellen Teil I „Inferno” stehen acht Opernsängerinnen auf der Bühne. Verraten Sie ein wenig über die Musik, die uns erwartet.

Edgar Froese: Die Komposition ist kontrapunktisch angelegt zu dem, was sich der Hörer unter der Textvorgabe „Inferno” vorstellen mag. Durch sehr vielschichtige musikalische Ebenen bricht immer wieder der Gesang als ein mahnendes und urteilendes Element hindurch.

Wie ist es Festspieldirektor Norbert Stockheim gelungen, Sie für die Uraufführung von „Inferno” nach Nideggen zu holen.

Edgar Froese: Das war gar nicht so schwer. Die Voraussetzungen auf der Burg sind geradezu ideal. Eine perfekte Kulisse, in die wir eine phantastische Lichtshow projizieren wollen, und professionelle Zusammenarbeit mit dem Veranstalter lassen auf ein wirklich multimediales Ereignis hoffen.